EPortfolios

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„Die Schule des Sehens“. Einsatz von ePortfolios in einem Seminar der Architekturgeschichte.

Ein Konzept von Sylvia Necker; entwickelt im Rahmen des Workshops „ePortfolios als didaktische Methode“ bei Marianne Merkt am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung (ZHW) an der Universität Hamburg im Februar 2008.

Idee: Im Rahmen eines Workshops am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung (ZHW) der Universität Hamburg[1] wurde ich mit der Idee der (e)Portfolios konfrontiert. Im Laufe des Workshops entwickelte sich die Idee, ePortfolios als Leistungsnachweis [2] anstelle der bisher noch üblicherweise eingesetzten Leistungsnachweise wie Referate und Hausarbeiten in einem Seminar zur Architekturgeschichte einzusetzen. Zur konkreten Umsetzung in der Hochschullehre stelle ich im Folgenden mein Konzept vor und freue mich über Ideen zur Weiterentwicklung.[3]

Das e-Portfolio-Konzept: Der Portfolio-Gedanke greift eine in künstlerischen Berufen praktizierte Tradition auf, bei der die eigene Kompetenz und das künstlerische Können in Form einer Portfolio-Mappe dargestellt wird. Die Wahl des Inhalts und der Form des Portfolios ist selbstgestaltet und selbstgewählt. Methodisch knüpft der Portfolio-Gedanke also an das selbstgesteuerte Lernen an, da Portfolios im Bereich von Schule, Hochschul- und Weiterbildung mehr abbilden können als eine Sammlung erworbener Leistungsnachweise. Portfolios erweitern „die konventionelle Leistungsfeststellung um die Alternative der Leistungsdarstellung“[4] , sie betonen (bzw. stärken) die Eigenverantwortung der Lernenden, indem diese über ein Portfolio selbstgesteuert ihre Kompetenzen und Lernprozesse dokumentieren können.

Die Erweiterung des Portfoliogedankens zum „ePortfolio“ ist im Rahmen der Entwicklung von eLearning für den Einsatz an Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung zu sehen. In der eLearning-Methode wird Lernen durch den Einsatz von Technologien unterstützt:

„eLearning kann verstanden werden als ein Lernprozess, der durch Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt wird. eLearning umfasst somit Informationen, Aktivitäten, Abläufe, Menschen und Techniken. Die Gewichtung kann – je nach Bedarf – unterschiedlich sein: In akademischen oder schulischen Umgebungen wird eLearning v.a. eingesetzt, damit die Lernenden im Rahmen ihrer Kurse bzw. Fächer Konzepte und Ideen verfügbar haben, analysieren, konstruieren, publizieren und evaluieren können. Dabei können die Inhalte und Funktionen des eLearning in sich abgeschlossen sein oder gemeinsam mit Präsenz-Veranstaltungen eingesetzt werden. [...] Außerdem kann das Lernen individuell, kooperativ (arbeitsteilig) oder kollaborativ (gemeinsam bearbeitend) erfolgen."[5]

Das Portal „e-teaching.org“[6] beschreibt ePortfolios als „netzbasierte Sammelmappen, die verschiedene digitale medien und Services intergrieren“[7]. Dort können Dokumente, Fotos, Vorträge, Filme, Präsentationen und Reflexionen zusammengetragen werden, die Zeugnis von Lerninhalten und Lernprozess ablegen. Die einzelnen Teile des ePortfolios werden, angelehnt an das klassische Portfoliokonzept im Bereich der künstlerischen Berufe wie z.B. die Photographie, als „Werkstücke“ bezeichnet.[8] Entscheidend ist, dass die Auswahl der Werkstücke durch die Lernenden getroffen wird:

„ePortfolios sind also weit mehr als eine «digitale Bewerbungsmappe», nämlich zugleich eine Methode für selbst-gesteuertes Lernen UND ein digitales Lernwerkzeug. (...) ePortfolios sind ein Werkzeug zur strukturierten Sammlung, Speicherung und Darstellung sowohl des «Weges» (Bemühungen, Fortschritte) als auch des «Zieles» (Wissenszuwachs, Aufbau von Fach-, Methoden- oder Sozialkompetenzen) mittels digitaler Informationsobjekte.“[9]

Die Abbildung des Lernens als Prozess und deren Reflexion durch die Lernenden selbst können als die zentralen Möglichkeiten und Vorteile der (e)Portfolios angesehen werden. Thomas Häcker sieht neben der Funktion des Portfolios als „Brücke“ zwischen „lernen“, „beurteilen“ und „lehren“ vor allem die gezielte Reflexion als „Herzstück des Portfolioprozesses“[10]. In besonders konsequenter Form nimmt der Studiengang „Master of Higher Education“ an der Universität Hamburg die Idee der studienbegleitenden Reflexion auf: ePortfolios sind Teil der Masterabschlussarbeit des Studiengangs, dessen Verlauf in einem ePortfolio durch die Studierenden reflektiert werden soll.[11]

Die Anwendung von Portfolios in der Hochschullehre ist im Spannungsfeld von vier Polen zu betrachten, die Teil des Portfolios sind: Praxisfeld, Kompetenz, Werkstück und Reflexion. Diese Felder werden im Folgenden bei der Vorstellung des Seminars „Die Schule des Sehens“ immer wieder aufgegriffen und die Bedeutung der Felder für das Seminar und ihre Teilnehmer erläutert.

Rahmenbedingungen: Das Seminar „Die Schule des Sehens“ könnte in verschiedenen Studiengängen angeboten werden. Denkbar wäre, das Seminar für angehende Architektinnen und Architekten im Rahmen des Moduls „Architekturtheorie und Architekturgeschichte“ anzubieten. Möglich wäre auch ein Angebot für Kunsthistoriker/innen zu konzipieren, die in ihrem Studium einen Studienschwerpunkt auf die Geschichte der Architektur legen. Ursprünglich ist die Idee jedoch im Kontext der Geschichtswissenschaft entstanden. Da ich selbst als Historikerin auf dem Gebiet der Architekturgeschichte tätig bin, war meine erste Idee, ein Angebot für BA-Studierende des Fachbereichs Geschichtswissenschaft zu schaffen. Die Beschäftigung mit „Bildern“ als Quelle wird für Historiker/innen immer wichtiger, von daher versteht sich das Seminar als Angebot, Bildkompetenz zu erwerben. Im Fachbereich „Geschichtswissenschaft“ sollte das Seminar als studienübergreifendes Angebot für Bachelor-Studierende der ersten Semester offen sein. Aufgrund der intensiven Betreuung des Portfolio-Prozesses wird die Teilnehmerzahl auf 10 begrenzt. Thematisch fokussiert das Seminar einen Teilaspekt der Architekturgeschichte. Denkbar sind Seminarthemen wie „Das Hochhaus im 20. Jahrhundert“ oder „Verkehrsbauten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.

Kompetenz: Im Seminar „Die Schule des Sehens“ soll zunächst der Zugang zum eigenen Sehen thematisiert werden. Wie sehe ich? Welche Sehgewohnheiten kann ich an mir beobachten? Diese grundlegenden Fragen dienen in der ersten Seminareinheit der Einführung und Hinführung zum Thema des Seminars, in dessen Verlauf Kompetenzen wie Bildbeschreibung, Formulierung von Bildunterschriften und Bildanalyse gemeinsam erarbeitet werden sollen.

Nach einer allgemeinen Einführung zu den Themen „Sehen“ und „Bild als Quelle“, fokussiert das Seminar den Teilbereich Architekturgeschichte. Hier sollen im Speziellen berufsqualifizierende Kompetenzen erlernt werden: Analyse- und Kritikfähigkeiten im Umgang mit Bildern zählen zu den wichtigsten beruflichen Kompetenzen von Architekturhistorikern. So bilden die Rezeptionsgeschichte der Architektur, die Wirkung von Architekturabbildungen, der Einfluss der Bilder auf die Rezeption der Architektur und die Inszenierung von Architektur durch Bilder wichtige inhaltliche Schwerpunkte des Seminars.

Jedoch ist das Seminar neben dieser Spezifizierung vor allem als Heranführung an „das Sehen“ gedacht, denn „Sehen“ ist kein abgeschlossener Prozess und kann nicht innerhalb eines Seminars erlernt werden. Ziel des Seminars muss es deshalb sein, die Studierenden zu ermuntern, den „Sehprozess“ nie als abgeschlossen zu betrachten und ihn über die gesamte Studienzeit immer wieder von neuem zu üben und zu professionalisieren. Dazu bringt ihnen das Seminar Methoden und Techniken der Analyse als Hilfsmittel näher.

Das Seminar: Wie oben ausgeführt beginnt das Seminar „Die Schule des Sehens“ in der ersten Seminareinheit mit der Thematisierung des Zugangs zum eigenen Sehen. Dazu werden die Teilnehmer/innen aufgefordert zur ersten Stunde eine Abbildung ihrer Wahl mitzubringen, die nicht zwangsläufig im Themenfeld der Architektur angesiedelt sein muss. Durch die Betrachtung der mitgebrachten Abbildungen können Sehgewohnheiten analysiert und erste Übungen in Bildbeschreibung gemacht werden. Die ersten Erfahrungen im Umgang mit Bildern werden durch einen Postkartenstapel (aus dem Fundus der Lehrenden) ergänzt, der erste Verbindungen zum Seminarthema, der Architektur, herstellt.

Im Anschluss soll der Ablauf und das Prozedere des Seminars mit den Teilnehmer/innen geklärt werden. Notwendig ist vor allem eine Einführung in den Portfolio-Gedanken, der vermutlich den meisten Studierenden nicht geläufig ist. Ziel des Seminars ist es, die bisher üblichen Leistungsnachweise wie Referate und Hausarbeiten vollständig durch ein anzufertigendes ePortfolio zu ersetzen. Dazu müssen zunächst Vor- und Nachteile eines Portfolios als Leistungsnachweis gemeinsam analysiert werden. Aufgabe der Studierenden ist es, im Verlauf des Seminars sechs Werkstücke anzufertigen, deren Bewertungskriterien durch die Lehrende in der ersten Stunde offengelegt und erklärt werden müssen. An Beispielen sind die Bewertungskriterien der Werkstücke (z.B. die Auswahl der Bilder und das Formulieren der Bildunterschrift) mit den Teilnehmer/innen zu entwickeln. Die Erfahrungen der ersten Seminareinheit sollen durch einen narrativen Eintrag in das ePortfolio reflektiert werden. Als erstes Werkstück entsteht so ein maximal einseitiger Text zum Thema „Wie sehe ich? Zum Prozess der ästhetischen Wahrnehmung“. Im Verlauf des Seminars sind nun die weiteren Aufgaben wie die Auswahl eines Bildes, die Besprechung der Bilder, die Bearbeitung von Bildunterschriften und das Anfertigen eines Essays zu erledigen. Das ePortfolio (als Sammlung aller Werkstücke) dient der Dokumentation des Seminar- und Lernprozesses. Im Seminar wird gemeinsam das „Sehen“ und das kritische Reflektieren von Bildern geübt. Der Theorieinput – in Form von Impulsreferaten – zu den einzelnen Bildern wird zunächst von der Lehrenden beigesteuert, soll aber im Rahmen einer hoffentlich regen und kontroversen Seminardiskussion zunehmend auch von den Studierenden eingebracht werden.

Werkstücke: Im Seminar wird als Leistungsnachweis weder eine Klausur noch eine Hausarbeit geschrieben. Stattdessen soll von den Studierenden ein ePortfolio erstellt werden. Der Lernprozess wird in einem ePortfolio abgebildet und dient als Leistungsnachweis statt Referat und Hausarbeit. Das Portfolio enthält folgende Werkstücke:

Werkstück 1: Ein narrativer Eintrag zum Thema „Wie sehe ich? Zum Prozess der ästhetischen Wahrnehmung“. (Max. 1 Seite)

Werkstück 2: Eine Abbildung in digitaler Form (z.B. der Scan einer Brücke aus einem Architekturband), welche im Rahmen einer thematisch-inhaltlichen Vorgabe zum Seminarthema aus der Geschichte der Architektur des 20. Jahrhunderts ausgewählt werden muss. (1 Seite)

Werkstück 3: Ein kurzer Bericht (als Reflexion), der die Bildsuche, den Prozess der Bildbeschaffung und der Recherche (z.B. in einer Bilddatenbank im Internet) dokumentiert. Ggf. kann eine Literatur- bzw. Linkliste als Werkstück angefügt werden. (2 Seiten)

Werkstück 4: Eine ausführliche Bildbeschreibung mit Hinweisen zu Architekten des ausgewählten Gebäudes und zur Architekturgeschichte. (2 Seiten)

Werkstück 5: Eine Bildunterschrift mit 50 bis 80 Wörtern. (1/2 Seite)

Werkstück 6: Einen dreiseitigen Essay, in dem die Auswahl des Bildes begründet werden soll. Zusätzlich soll der Essay eine Einbettung in historische und architektur-theoretische Rahmenbedingungen leisten, die schon mit Werkstück 4 begonnen wurde und nun vertieft dargestellt werden soll. Theoretische und inhaltliche Grundlage bilden die Besprechungen aller Bilder in den Präsenzveranstaltungen; die Diskussionen im Seminar bereiten also inhaltlich die Essays vor. (3 Seiten)

Insgesamt entstehen so ca. 10 Seiten als Leistungsnachweis. Der Umfang entspricht einer Hausarbeit in einem Seminar für Bachelor-Studierende. Die technische Fertigung und die notwendigen Recherche-Arbeiten entsprechen dem Aufwand, der sonst für die Vorbereitung eines Referats aufgewandt werden muss.

Um den Prozess der Reflexion zu stärken, wäre es auch denkbar, die Studierenden ihre Bilder gegenseitig kommentieren zu lassen. Dies könnte in einem virtuellen Klassenzimmer auf einer Plattform wie „EduCommSy“[12] geschehen.

Wie die ePortfolios am Ende des Seminars präsentiert werden können, hängt von den technischen Möglichkeiten ab. An der Universität Hamburg werden hierfür u.a. Tools wie „Blackboard“ und „Connect“[13] angeboten. Zudem muss geklärt werden, in welcher Form alle ePortfolios zu einem handhabbaren Dokument zusammengefasst werden können – denkbar wäre ein pdf-Dokument –, um es allen Seminarteilnehmer/innen zur Verfügung zu stellen.

Die Studierenden werden aufgefordert, das ePortfolio in einer von ihnen modifizierter Form studienbegleitend weiterzuführen und die Bildsammlung zu erweitern (vgl. weiter unten: Stichwort „Prozess“).

Praxisfeld: Die Anwendung von Bildanalyse und Bildbeschreibung hat ihr konkretes Praxisfeld vor allem im Bereich des Ausstellungswesens. Eine der wichtigsten Kompetenzen einer Architektur-historikerin / eines Architekturhistorikers ist die Visualisierung der (Kunst- und Architektur-) Geschichte. Für diese komplexe Aufgabe ist es notwendig mit den Mitteln der Darstellung (von Abbildungen und Texten) eine Kontextualisierung zu erreichen. Deren Erfolg ist von der richtigen Bildauswahl und der Formulierung einer sinnvollen Bildunterschrift abhängig. Sowohl für das Arbeitsfeld der Ausstellungsarchitektur und -design, als auch für die Katalogherstellung und das Publizieren könnte das Seminar ein Übungswiese sein.

Reflexion: Durch die permanente Kommentierung (der Bildauswahl, der Bilder selbst und natürlich dadurch auch der Architekturgeschichte an sich) soll eine intensive Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Bildern entstehen. Der Prozess wird im Portfolio durch Werkstücke in Form von Bildern und Texten, denkbar sind ebenso multimediale Anwendungen, dokumentiert und bildet einen umfassenden Leistungsnachweis für die Studierenden. Gegenüber anderen Nachweisen wie einer Hausarbeit hat das ePortfolio den Vorteil, dass er den Studierenden durch die intensive Arbeit daran, nachhaltiger in Erinnerung bleibt. Außerdem könnte es als Beginn einer längeren Arbeit, eines studienbegleitenden Prozesses, begriffen werden. Der Austausch der ePortfolios über Plattformen wie EduCommSy könnte für eine längerfristige Speicherung sorgen und eine Reflexion über die Zeit des Seminars hinaus möglich machen.

Prozess: Das ePortfolio bildet in mehrfacher Hinsicht den Prozess des Lernens und der Kompetenzerwerbung ab: zum einen wird der Umgang mit dem Sehen im ePortfolio dokumentiert, zum anderen wird durch die Werkstücke der Produktionsprozess vom Aussuchen des Bildes, dem Kommentieren des Bildes und der Kontextualisierung dargestellt. Insofern wäre wünschenswert alle Portfolios der Seminarteilnehmer/innen in aufbereiteter Form zu publizieren. So entstünde im Seminar ein greifbares, haptisches Produkt, das zusätzlich – wenn auch nur in begrenzter Form, z.B. als Reader in einer kleinen, selbst kopierten Auflage – öffentlich wird. Als Vorteil kann auch die beständige Abforderung der einzelnen Werkstücke in relativ kurzen Abständen gesehen werden (im Verlauf des Seminars werden sechs Werkstücke als Leistungsnachweis verlangt). Dadurch werden die Studierenden zur ständigen Produktion von Texten, Recherchen etc. angehalten, die üblicher Weise in geisteswissenschaftlichen Seminaren erst nach dem Seminar in den Semesterferien zu leisten sind. Gerade zu einem Zeitpunkt, wenn die Studieren kaum noch betreuende Unterstützung durch die Lehrenden bekommen und der Kontakt zu den anderen Seminarteilnehmerinnen schon längst abgebrochen ist.

Zusätzlich könnte das ePortfolio-Konzept Hemmungen abbauen, Texte zu verfassen und ermuntern, die Kreativität der Studierenden in die vielen kleinen Aufgaben (alias Werkstücke) einzubringen.

Die Prozesshaftigkeit der „Schule des Sehens“ wird zusätzlich durch den Aufruf an die Studierenden unterstützt, das Portfolio während ihres Studiums als Bildarchiv, Bildtagebuch bzw. Bildanalysebuch weiterzuführen. So könnte das „Sehen üben“ das ganze Studium hinweg begleiten. Das ePortfolio dokumentiert diesen Prozess, außerdem fungiert es als Prototyp, der im Laufe des Studiums weiter verfeinert und ergänzt wird.

Der Mehrwert von „e“: Die ePortfolios bilden im Vergleich zu herkömmlichen Portfolios aus drei Perspektiven einen Mehrwert für Studierende. Sie bieten die Möglichkeit „technologisch implementierte Strukturierungshilfen“[14] einzusetzen, multimediale Werkstücke einzubinden und zu jedem beliebigen Zeitpunkt abrufbar im WWW zur Verfügung zu stehen.[15]

Für das Seminar „Die Schule des Sehens“ sind alle drei Perspektiven interessant, wenngleich die technologischen Strukturierungshilfen gerade im Bereich der Darstellung von Bildern und Texten eine gewisse Kenntnis und technologische Fertigkeiten im Umgang mit Graphik- und Darstellungsprogrammen voraussetzen. Das gilt auch für den Einsatz von multimedialen Möglichkeiten und der Erstellung von Hyperlinks. Die dritte Perspektive, die nachhaltige Speicherung und grenzenlose Abrufbarkeit der ePortfolios, kann von den Studierenden als studienbegleitendes Bildtagebuch genutzt werden. Zusätzlich könnte ein gelungenes ePortfolio auch als Referenz für Bewerbungen auf Praktika in den entsprechenden Berufsfeldern dienen.

Erfahrung: In Österreich bildete sich in den vergangenen Jahren eine vielfältige Szene von Bildungsaktivisten, die eLearning-Methoden (zu denen auch das ePortfolio zählt) an (Hoch-) Schulen und in der Weiterbildung implementieren möchten. Ein wichtiges Netzwerk, das sich besonders um die Weiterentwicklung von ePortfolios bemüht, ist die “E-Portfolio Initiative Austria�?[16]. In diesem Zusammenhang ist der Artikel von Christian Schrack zu sehen, in dem er 2005 nach den Chancen des ePortfolios fragte, sowohl auf dem lerntheoretischen Hintergrund, als auch im Rahmen der Weiterentwicklung des eLearning. In der Publikation finden sich zahlreiche Anwenderbeispiele für ePortfolios, die über die angegebenen Links aufzufinden sind.[17]

Auf der Interactive Computer Aided Learning Conference (ILC) 2007 in Villach / Österreich[18] wurden mehrere Beispiele aus der Praxis vorgestellt. Zum einen ein ePortfolio Pilotprojekt an der Universität in Wien [19] und zum anderen eine Projekt an der Fachhochschule Johanneum. Die Präsentation des zweiten Projekts legte seinen Schwerpunkt neben der inhaltlichen Argumentation auch auf die technische Implementierung der ePortfolios an Hochschulen.[20]

Einen Einblick in die europäische Perspektive der ePortfolio-Entwicklung gab Erwin Bratengeyer von der Donau-Universität in Krems auf der Tagung „Lifelong Learning – ePortfolios and Open Content“ in Katowice / Polen im Oktober 2007.[21] Anhand niederländischer, norwegischer und österreichischer Beispiele vermittelte er den aktuellen Forschungsstand zum Thema ePortfolios in Europa.[22] Gerade die Forschungsgesellschaft „Salzburg Research“ engagiert sich in diesem europäischen Diskurs und bietet Fachtagungen und Workshops an[23], so findet im Juni 2008 die Tagung „Edumedia 2008“, u.a. mit einem eigenen ePortfolio-Forum, statt.[24]

Auch die Schweiz beteiligt sich rege an der Debatte um die Entwicklung des ePortfolio-Gedankens. Auf dem „E-Portfolio Netzwerk“ der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen (PHSG) können auf dem übersichtlichen Portal Links und Fachliteratur zu E-Portfolios recherchiert werden. Außerdem finden sich dort Beispiel-ePortfolios von Studierenden, die im Rahmen eines Projekts an der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen gerade erstellt werden.[25]] Auch an niederländischen Universitäten gibt es zahlreiche Beispiele aus der Praxis. ePortfolios von Lehrenden und Studierenden sowie ePortfolio-Software lassen sich auf den Seiten der Universitäten Amsterdam und Utrecht ansehen.[26] Fallbeispiele aus dem Bereich der Schule finden sich in dem Handbuch „Portfolioarbeit“.[27] Neuerscheinungen zum Thema „Portfolioarbeit“ werden auf einer Seite der Universität Luzern gesammelt, darunter sehr viele Publikationen des Schweizer Forschers Thomas Häcker.[28]

Eine konkretes Anwendungsbeispiel für ein Seminar aus dem Bereich der Geisteswissenschaften oder der Kunstgeschichte, in dem ePortfolios als Leistungsnachweis verwendet werden, konnte ich bei meinen Recherchen nicht finden, obwohl gerade der Bereich eLearning an den kunsthistorischen Seminaren gut vertreten ist.

Ein gutes Beispiel für dieses Engagement bildet das Portal „Die-Schule-des-Sehens“ (ein in der Kunstgeschichte inflationärer Begriff, den ich während meines Studiums einige Male gehört habe, und ihn deshalb auch als Titel für mein Seminar verwendet habe).[29] Dort werden eLearning-Seminare zum Selbststudium aus den Bereichen der Kunstgeschichte und Architektur angeboten. Teilweise sind diese Seminare auch örtlich an eine Universität gebunden und durch eine/n Dozent/in betreut. Das Konzept meines Seminars schließt methodisch an das Projekt an und erweitert es um den Einsatz von ePortfolios im Lehrbetrieb an den Hochschulen.

Hamburg, im März 2008


[1] Vgl. http://www.izhd.uni-hamburg.de/ (06.03.2008).

[2] Vgl. Annette Richter (2005): Portfolios als alternative Form des Leistungsnachweises, in: Brigitte Berendt; Johannes Wildt (Hrsg.): Neues Handbuch Hochschullehre. H 4.2 Prüfungen und Leistungskontrollen. S. 1-18. An der Universität Zürich wurden an der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik neue Prüfungsformen (u.a. ePortfolios als Leistungsnachweis) diskutiert. Vgl. Barbara Müller, Kathrin Futter, Mandy Schiefner (2006): Neue Wege in der Prüfungskultur: Grundlagen und Formen von Leistungsnachweisden in modularisierten Studiengängen, in: www.ocg.at/elpa/files/elpa2_schrack.pdf (06.03.2008)

[3] Kontakt: necker@zeitgeschichte-hamburg.de

[4] Thomas Häcker (2005): Portfolio als Instrument der Kompetenzdarstellung und reflexiven Lernprozesssteuerung, in: http://www.bwpat.de/ausgabe8/haecker_bwpat8.pdf (06.03.2008). S. 1.

[5] Vgl. http://www.uni-hildesheim.de/de/9808.htm (06.03.2008). Der Begriff „eLearning“ wird in der Forschung sehr unterschiedlich definiert und bewertet. Einen Einblick in die Heterogenität der Rezeption des Begriffs gibt u.a. der Eintrag in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia und der Artikel „E-Learning“ in Beats Biblionetz (Ein Hypertext aus den Anfängen der Informationstechnologie und des eLearnings. Dementsprechend veraltet wirkt das Design der Website.): Vgl. http://beat.doebe.li/bibliothek/w01275.html (06.03.2008) und http://de.wikipedia.org/wiki/E-Learning (06.03.2008). Verschiedene Ansätze zu eLearning sind u.a. in einem 2004 erschienenen Handbuch zusammengefasst: Vgl. Patricia Arnold / Lars Kilian / Anne Thillosen / Gerhard Zimmer (2004): E-Learning. Handbuch für Hochschulen und Bildungszentren. Didaktik - Organisation – Qualität, Nürnberg.

[6] Vgl. http://www.e-teaching.org/ (06.03.2008).

[7] Vgl. http://www.e-teaching.org/didaktik/kommunikation/portfolio/ (06.03.2008).

[8] Wolf Hilenzauer verwendet alternativ den Begriff „Portfolio-Artefakte“. Dies können u.a. „Lernzielvereinbarungen, Arbeitsaufträge, Aufsätze, Projekt bzw. Seminararbeiten, Reflexionen, Portfoliokriterien, verbale und non-verbale Beurteilungen, Zeugnisse, Zertifikate, Preise“ sein. Vgl. Wolf Hilzensauer: ePortfolio. Methode und Werkzeug für kompetenzbasiertes Lernen, in: http://eportfolio.salzburgresearch.at/images/stories/eportfolio_srfg.pdf (07.03.2008). S. 4. Hilzensauer ist Mitarbeiter der „Salzburg Research Forschungsgesellschaft“, ein österreichisches Forschungsunternehmen, das im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) an der Weiterentwicklung von web-basierten Bildungsinnovationen arbeitet. Im Anwendungsfeld "Education and Media" (kurz EduMedia) widmet sich ein eigener Forschungszweig den „ePortfolios“: vgl. http://eportfolio.salzburgresearch.at (07.03.2008).

[9] Ebd.

[10] Vgl. Häcker 2005 (vgl. Anm. 4). S. 4 und 6. Auch die Sozialwissenschaftlerin Patricia Arnold sieht in der speziellen Kombination „eigene Arbeits & Lernprozesse zu dokumentieren, zu organisieren, zu reflektieren und in einem Gesamtzusammenhang zu präsentieren“ die besonderen Möglichkeiten der Portfolios. Vgl. http://patriciaarnold.wikispaces.com/space/showimage/arnold_fobi_goethe_2007_08_02.pdf (06.03.2008). S. 12.

[11] Vgl. Marianne Merkt (2007): ePortfolios – der “rote Faden�? in Bachelor- und Masterstudiengängen, in: Merkt, M. et al. (Hrsg.): Studieren neu erfinden - Hochschule neu denken. Münster. PDF-Datei im Seminarmaterial auf EduCommSy S. 1-10.

[12] Vgl. http://www.educommsy.uni-hamburg.de/commsy.php?cid=197543&mod=home&fct=index&jscheck=1&isJS=1 (06.03.2008)

[13] Auf dem Portal “MICHeL - Multimedia | Internet | Community Hamburger eLearning�? des Regionalen Rechenzentrums der Universität Hamburg sind alle Dienstleistungen, die eLearning-Angebote unterstützen, zusammengefasst: vgl. http://www.michel.uni-hamburg.de (06.03.2008). Für die Präsentation im WWW wären auch social network platforms wie eLGG (http://elgg.net (06.03.2008)) oder myspace (http://myspace.de (06.03.2008)) auf denen Bilder und Texte (beispielsweise als blog) eingestellt werden können. Technisch liegen diesen Tools entweder Blogg-Software zugrunde ode rein Content Mangement System (CMS).

[14] Vgl. Merkt 2007 (vgl. Anm. 11). S. 4.

[15] Ebd.

[16] Vgl. http://www.e-portfolio.at/ (06.03.2008)

[17] Christian Schrack (2005): ePortfolio – eine Zukunftsoption für die europäische Bildung?, in: www.ocg.at/elpa/files/elpa2_schrack.pdf (06.03.2008)

[18] Vgl. http://www.icl-conference.org/ (06.03.2008)

[19] Vgl. Brigitte Roemmer-Nossek, Birgit Peterson, Sylvia Logar, Charlotte Zwieauer (2007): ePortfolio Pilot Project at the University of Vienna – Towards a Framework, in: http://www.e-portfolio.at/1127267.1 (06.03.2008). Dort finden sich auch Hinweise auf Projekte an englischen Universitäten. Auf der ICL 2007 gab es eine “Special Session E-Portfolios�?, auf der viele Entwickler von ePortfolio Projekten anwesend waren. Das Protokoll des Treffens ist verfügbar unter: http://www.e-portfolio.at/1125276.0/ (06.03.2008)

[20] Bettina Hiller, Jutta Pauschenwein, Heimo Sandtner, Anastasia Sfiri, Barbara Porotschnig, Gabriella Ritter (2007): Implementation Process of ePortfolio at FH JOANNEUM, in: http://www.e-portfolio.at/1125322.1 (06.03.2008).

[21] Das vorständige Tagungsprogramm und einzelne Beiträge finden sich unter: http://www.ecomedia-europe.net/ (06.03.2008) im Menüpunkt: 2. Thematic Conference.

[22] Vgl. Erwin Bratengeyer (2007): The Very Short History of ePortfolio in the EU, in: www.eu-ripides.net/home/files/pl_katowice/presentation/Bratengeyer-Ecomedia-katowice-2007-10.pdf (06.03.2008). Der Leiter des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien, Peter Baumgartner, spricht von einer Lernkultur, in der ePortfolios ein wichtiger Bestandteil des Lebenslangen Lernens seien. Vgl. Peter Baugartner (2007): Katalysator für eine neue Lernkultur: Karriereplaner E-Portfolio, in: http://www.peter.baumgartner.name/article-de/karriereplaner_e-portfolio.pdf/download (06.03.2008)

[23] Vgl. Anm. 8.

[24] Vgl. http://edumedia.salzburgresearch.at/index.php?option=com_content&task=view&id=160&Itemid=144 (06.03.2008)

[25] Vgl. http://www.eportfolio-phsg.ch (06.03.2008). Links zu Studierenden-E-Portfolios sind auf der Startseite angegeben, beispielsweise das E-Portfolio von Karin des ePortfolio Projekts an der Pädagogischen Hochschule des Kantons St.Gallen https://mahara.phsg.ch/view/view.php?id=167 (06.03.2008)

[26] Vgl. u.a. die ePortfolio Initiative der Universität Amsterdam (vgl. https://portfolio.uva.nl/portal (06.03.2008)) und den Einsatz von Portfolios in der Lehrerausbildung an der Universität Utrecht (http://portfolio.uu.nl/SURF-Efolio/Voorbeelden/ UU-lerarenopleiding/index.htm (06.03.2008))

[27] Vgl. Ilse Brunner / Thomas Häcker / Felix Winter (Hrsg.) (2008): Das Handbuch Portfolioarbeit. Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung, 2.Auflage. Seelze-Verlber.

[28] Vgl. http://www.luzern.phz.ch/seiten/543989744483.htm (06.03.2008)

[29] Vgl. http://www.schule-des-sehens.de/ (06.03.2008). Zur Konzeption des Portals heißt es dort: “Die Schule des Sehens, ein Projekt der kunstgeschichtlichen Institute der Universitäten Berlin (FU), Bern, Dresden, Hamburg, Marburg, München (LMU) und des Münchner Lehrstuhls für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie, bietet Interessierten Lehrveranstaltungen und Studieneinheiten unterschiedlichen Umfangs und Schwierigkeitsgrads - kontinuierlich für das unbetreute Eigenstudium, gelegentlich im Rahmen betreuter Seminare. Sie soll ein Ort des gemeinschaftlichen Lernens werden, der geschichtliche Erfahrung vermittelt und zu kritischem Umgang mit Bildern befähigt.�? Media:Beispiel.mp3

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