Reduzierte Kommunikation

Computer-vermittelte Kommunikation wird von unerfahrenen Teilnehmenden zunächsst als reduziert empfunden. Erst nach und nach entwickeln sie die Kompetenz, sich in der veränderten Kommunikationsumgebung zurecht zu finden und unterschiedliche mediale Dienste adäquat für einen konkreten Kommunikationsbedarf auswählen und handhaben zu können. Auch die Theorie zur computer-vermittelten Kommunikation ging zunächst von einer reduzierten Kommunikationsituation aus. In neueren Arbeiten setzen sich nutzerzentrierte und medienökonomische Kommunikationsmodelle durch, die davon ausgehen, dass es nicht "die computer-vermittelte Kommunikationssituation" gibt, sondern dass sich je nach Kontextfaktoren wie z.B. Nutzer, Medium, Ziel der Kommunikation unterschiedliche Typen, Stile oder Praxen von Kommunikation herausgebildet haben, die jeweils eigene Besonderheiten aufweisen.

Von unerfahrenen Teilnehmenden wird die computer-vermittelte Kommunikation als reduziert empfunden. Folgende Merkmale werden als Besonderheiten der computer-vermittelten Kommunikation genannt

Besonderheiten in der Wahrnehmung anderer Personen

Theorien zur computer-vermittelten Kommunikation
Auch in der theoretischen Darstellung der computer-vermittelten Kommunikation wurde aufgrund früher empirischer Arbeiten lange von einer reduzierten Kommunikation ausgegangen.
Der Versuch, fehlende Hinweisreize durch die Übertragung von Ton und Bewegtbild auszugleichen, wie z.B. der Einsatz von Videokonferenzen brachte neue Probleme in Bezug auf die Kommunikationssituation mit sich (vgl. auch Gaiser, B., 2002).
Soziopsychologisch orientierte Untersuchungen zu Mailinglisten, Newsgroups und Chatgroups betonen dagegen, das subjektiv bedeutungsvolles Handeln und soziale Interaktion die entscheidenden Voraussetzungen für funktioniernde Kommunikationsstrukturen sind (vgl. Sprachpraxis in medialen Diensten).

Die neuen Ausdrucksmittel im Rahmen der computer-vermittelten Kommunikation sind hierfür, wie die untersuchten Beispiele zeigen, kein Hindernis, sondern erfordern, wie ander Kommunkationsstrukturen auch, die Vereinbarung und Einhaltung sozialer Regeln der Interaktion.
Eine ausführliche Darstlellung der Theorien sowie die Entwicklung eines nutzerzentrierten, medienökonomischen Rahmenmodells zur computer-vermittelten Kommunikation findet sich bei Döring (Döring, N.,2003, S. 186f).

Hinweise für die Gestaltung kommunikativer und kooperativer Prozesse geben kommunikationstheoretische Konzepte, die in der hochschuldidaktischen Weiterbildungspraxis erfolgreich eingesetzt werden.



Literatur:

Döring, N. (2003). Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hofgrefe. 2. Aufl.

Gaiser, B. (2002). Die Gestaltung kooperativer telematischer Lernarrangements. Shaker Verlag.

Hohenstein, A.; Wilbers, K., Hrsg. (2004): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis (Loseblattsammlung 4.1). Neuwied: Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst.

Merkt, M. (2005). Die Gestaltung kooperativen Lernens in akademischen Online-Seminaren. Empirische Untersuchung zur didaktischen Weiterbildung von Lehrenden. (Im Druck).