TypografieIm Netz sind typographische Freiheiten sehr stark eingeschränkt. Es gibt trotzdem und deswegen einiges zu beachten.
In Lexika sind unter dem Begriff Typografie, der sich aus dem
Griechischen als "Schreiben mit Drucktypen" übersetzen läßt,
Definitionen wie "Buchdruckkunst mit beweglichen Lettern", "Gestaltung
des Schriftsatzes" oder "ästhetische Formgebung eines
Druckerzeugnisses" zu finden. Zwei zentrale Aufgaben der Typografie
sind die Vermittlung schriftlicher Informationen und das Formen eines
gut lesbaren, zweckmäsig gestalteten Kommunikationsmittels.
Der
Druck mit beweglichen Lettern geht auf Johannes Gutenberg (1400 - 1468)
zurück. Der technische Vorläufer war dabei das Stempeln von
Schriftzeichen, das ästhetische Vorbild die mittelalterlichen
Handschriften.
Das Lesen von gedruckten Texten fällt uns
vergleichsweise leicht. Und dies hat nicht zuletzt mit der langen
Tradition von Textdesign im Printbereich zu tun. Im Screendesign gibt
es eine solche Tradition nicht, und im Netz sind lange Texte in aller
Regel nahezu unlesbar. Dies liegt von allem an der geringen Auflösung
des Monitor im Vergleich zu einem gedruckten Dokument und an der
mangelnden Qualität der Bildschirme. Daher ist man häufig dazu
übergegangen, lange Texte als PDF-Dokument zur Verfügung zu stellen, so
dass Benutzer sich die Texte unkompliziert ausdrucken können. So kann
man sich auf die Erkenntnisse der Textgestaltung für gedruckte Texte
berufen. Wie aber können wir die Lesbarkeit von Texten ,die auf dem
Bildschirm gelesen werden sollen, optimieren?
Unter Lesbarkeit
versteht man die Geschwindigkeit, mit der sich das genaue Aufnehmen des
Inhaltes ohne besonderes Ermüden vollzieht.
Die wichtigsten Parameter sind hierbei:
- Schriftgröße
- Zeilenlänge (60 bis 80 Zeichen)
- Zeilenabstand (in Relation zum Schriftgrad 1 - 1 1/2)
- Linksbündiger Flattersatz
-
Verwendung von speziellen Bildschirmschriftarten wie Verdana oder
Georgia, die auf die Verwendung in einem Pixelraster hin optimiert
wurden
- Serifenschriften unter 16 p sollten am Bildschirm vermieden werden
Neben
der Gestaltung der Schriften selbst steht bei der traditionellen
Typografie die harmoische Anordnung der Schrift auf der Seite im
Mittelpunkt. Hierbei richtet sich das Verhältnis der Elemente einer
Seite (Seitenränder, Spaltenbreite, etc) meist nach bestimmten
Proportionen, wie etwa dem Goldenen Schnitt. Diese Herangehensweise ist
jedoch bei der Bildschirmtypografie - insbesondere im Web - nicht
zuletzt wegen der verschiedenen Monitorgrößen der Benutzer kaum oder
nur in Ansätzen umsetzbar.
Da HTML bekanntlich eine
Textauszeichnungssprache ist, deren Grundidee in der
logisch-strukturellen Auszeichnung von Texten besteht, ist eine
Kontrolle der Textgestaltung mit ihren Mitteln nur in bescheidenem
Ausmaß möglich. Hierfür wurden HTML die Cascading Style Sheets (CSS)
zur Seite gestellt, die es erlauben, das Erscheinungsbild von Texten
auf dem Bildschirm genau festzulegen. Es lassen sich zu jedem
HTML-Element eine Vielzahl vom Parametern für dessen Darstellung und
Positionierung angeben. Leider ist die Umsetzung der
CSS-Spezifikationen selbst in den verschiedenen Browserversionen noch
sehr lückenhaft und fehlerbehaftet. Daher verbringen Entwickler
momentan beim praktischen Einsatz von CSS einen großen Teil der Arbeit
noch damit, ihre Stylesheets an die Unzulänglichkeiten der gängigen
Browserversionen anzupassen.
Einige Hinweise zur typographischen Fragen:
Schriftart: Eine Möglichkeit die Schriftart festzulegen ist das Font-Tag.
Die Verwendung des Font-Tags wird allerdings vom W3C nicht mehr
empfohlen. Daher ist die Schriftformatierung mit Hilfe von CSS um so
dringender zu raten. Zu beachten ist, dass die verwendetet Schriftart
auf dem Rechner des Benutzers installiert sein muss. Somit ist der
Webdesigner auf wenige Schriften, die auf allen Plattformen verfügbar
sind und zum Standard gehören, festgelegt. Mit Hilfe voc CSS können
mehrere Schriftarten angegeben werden, deren Vorhandensein in der
Reihenfolge ihrer Angabe geprüft wird. Für die meisten
Standardschriften auf dem Mac gibt es ein äquivalent auf dem PC.
Schriftgrösse: Zunächst muss eine Entscheidung darüber getroffen
werden, ob eine absolute oder relative Festlegung der Schriftgrösse
gewollt ist. Bei einer absoluten Festlegung kann der Benutzer die
Schriftgrösse nicht mit Hilfe der Browserfunktionen verändern. PCs und
Macintosh-Rechner verwenden unterschiedliche Auflösungen zur
Darstellung von Schriften. Der PC arbeitet mit dem WYSIWYG-Prinzip,
d.h. ein Inch soll auf dem Bildschrirm tatsächlich als Inch dargestellt
werden. Bei der üblichen Verwendung von 800x600 Pixeln auf einem
15"-Monitor folgt, dass Windows ein Inch als 96 Pixel darstellt.
Mac-Rechner dagegen versuchen eine direkte Korrelation zwischen
Pixelhöhe und Punktgrösse der Schrift herzustellen. Daher hat ein Inch
auf dem Mac nur 72 Pixel. Der Effekt ist, dass die Schriften auf den
unterschiedlichen Plattformen in unterschiedlicher Grösse dargestellt
werden. Der Unterschied ist grösser, je geringer die Auflösung des
Monitors ist. Zur Information: 1 Punkt = 0,376065 mm. Fettdruck:
ist in der Regel nicht für mehr als ein oder zwei Zeilen zu verwenden,
sondern meist nur für einzelne Wörter oder Wortgruppen. Benutze fette
Schrift und zu rufen oder zu schreien, und benutze sie nur für Wörter,
die auch eine Bedeutung tragen. Außerdem ist eine Verwendung für
Überschriften oft sinnvoll. Kursivdruck:
wird häufig für Zitate verwendet. Oder aber für Wörter, die geflüstert
betont werden sollen, die neu sind oder durch den Kontext ihrer
Verwendung definiert werden sollen. Grundsätzlich ist Gebrauch in HTML
deshalb schwierig, weil kursive Schriften durch das Verlassen des
Pixelrasters zackig und pixelig dargestellt werden, was die Lesbarkeit
von längeren Textpassagen erschwert. Unterstreichung:
ist die Kursivschrift des armen Mannes. In HTML muss man mit
Unterstreichungen deshalb vorsichtig sein, weil sämtliche Browser auf
diese Weise Hyperlinks kennzeichnen. Einzüge: sind in HTML
nicht vorgesehen. Wer einen neuen Absatz mit einem Einzug versehen
möchte kann hierfür z.B. ein leeres Transparentes GIF oder mehrere
"nonbreakingspace" einsetzen. Mit Hilfe von Stylesheets lassen sich
ebenfalls Einzüge realisieren. S p e r r u n g: von Wörtern
ist vor allem ein ästhetisches Instrument. Gesperrte Schrift ist schwer
lesbar, kann aber unter bestimmten Umständen recht ansprechend sein.
erlaubt natürlich eine maximale Freiheit in der Verwendung von
Schriftarten und deren Formgebung. Man geht dabei aber das Risiko ein,
dass User, welche die Anzeige von Bildern abgeschaltet haben, den Text
nicht lesen können. Daher ist unbedingt auf die Verwendung von
alt-Texten zu achten. Außerdem sind die Ladezeiten hoch.
Literatur:Bollwage, M. (2001): Typographie kompakt. Vom richtigen Umgang mit Schrift am Computer. Berlin: Springer.
Das Buch liefert einen guten Überblicküber typographische Aspekte insbesondere im Berech des Screendesigns.
Kazaeli, C. D. (1998): Crashkurs Typo und Layout. Vom Zeilenfall zum Screendesign. Reinbek: Rohwolt.
Eine gute Einführung in die Typographie unter besonderer Berücksichtigung der digitalen Medien.
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