Design und ZeichenVersteht man Design als semiotische Disziplin, so können hilfreiche Hinweise für die Konsistenz der Interfacegestaltung gewonnen werden.
Der Vergleich von Design und Rhetorik legt
bereits nahe, dass sich die Gestaltung eines Interfaces im Medium der
Sprache, oder besser: im Medium der Zeichen verortet. Bei den Inhalten
eines eLearning-Angebots handelt es sich natürlich einerseits meist um
sprachliche
Inhalte, darüber hinaus kommt es aber anderseits zur Verwendung von
graphischen
Symbolen, Icons und zum Einsatz von Metaphern, die einer
zeichentheoretischen Betrachtung unterzogen werden können. Selbst die
Wahl von Farben und Hintergründen kann semiotisch hinterfragt werden.
Um Zeichentheorie gewinnbringend auf das Problem der Gestaltung von
Benutzerschnittstellen anzuwenden, müssen also die Strukturen der
semiotischen Mechanismen erkannt werden, um diese bei der Verwendung
von Zeichen im Gestaltungsprozess unterstützen zu können. An dieser Stelle
sollen die verschiedenen Zeichenmodelle (vor allem Saussure, Peirce und
Morris werden in diesem Zusammenhang behandelt) nicht eingehender dargestellt und in
ihrer Anwendung auf das Designproblem reflektiert werden, da sie am Ende in
ihren Schlussfolgerungen einander ähneln.
Die Konsistenz der
Zeichenverwendung ist zunächst die wichtigste Erkenntnis, die aus
diesen Betrachtungen zu gewinnen ist. In Anlehnung daran wird
ersichtlich, dass eine Neudefinition von Zeichen, deren Objektbezug
durch gesellschaftliche oder habitualisierte Konventionen bereits
erlernt wurde, einer schnellen Erlernbarkeit einer
Benutzerschnittstelle nicht zuträglich ist. Abweichungen von solchen
Konventionen müssen im Einzelfall sorgfältig abgewägt und dann
konsistent umgesetzt werden. "What should be pointed out is that the
design of interface is a matter of semiotic consistency." (Nadin 1988,
280)
Konsistenz der Zeichenverwendung meint allerdings nicht nur die
einheitliche Gestaltung von Zeichen an verschiedenen Stellen oder in
verschiedenen Zusammenhängen, sondern auch und vor allem die Kohärenz
der Objektbezüge auf den unterschiedlichen Repräsentationsebenen. In
Bezug auf das Zeichenmodell von Peirce heißt dies beispielsweise, dass
Design sich den ikonischen, symbolischen und indexikalischen
Dimensionen des Zeichenprozesses bewusst sein muss, um diese wiederspruchsfrei zu bedienen.
Literatur:Bonsiepe, G. (1996): Interface. Design neu begreifen. Mannheim: Bollmann.
Ein tolles Buch über Interface- und Design-Theorie. Auch für Einsteiger zu empfehlen!
Doelker, C. (1997): Ein Bild ist mehr als ein Bild. Visuelle Kompetenz in der Multimediagesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta.
Das Buch befasst sich mit dem Gebrauch und der Deutung visueller Sprache und will so einen neuen Zugang zu visuellen Texten (also Bilder und Text-Bild-Arrangements) ermöglichen.
Nadin, Mihai (1988): Interface design. A semiotic paradigm. In: Semiotica 69 (1988) 3/4, S. 269-302
Der Text versucht die Disziplin des Interface-Designs aus einer zeichentheoretischen Perspektive zu sehen. er legt dabei die Zeichenmodelle von Peirce und Morris zugrunde.
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