Designtheorie und DesignpraxisZum Verhältnis von Theorie und Praxis im Design.
Im Bereich des Designs werden Theorie und Praxis häufig als Gegensätze verstanden. Vor allem Praktiker reagieren oft ablehnend gegenüber jeder theoretischen Fundierung ihrer Tätigkeit. Dagegen soll hier festgestellt werden: Jede erfolgreiche Praxis, auch wenn sie sich noch so vehement dagegen sperrt, beruht zumindest implizit und vielleicht ohne ihr Wissen auf der Anwendung von theoretischen Grundsätzen. Und der Designtheoretiker Gui Bonsiepe geht sogar noch weiter: "Practice that considers itself to be unaffected by theory suffers from a strong error of perception." (Bonsiepe 1997) Mit den Artefakten gestalterischer Praxis sehen wir uns alle täglich konfrontiert! Was aber ist Designtheorie?
Unter Verwendung einer Heideggerschen Terminologie beschreibt Bonsiepe den Prozess der Gestaltung als die Transformation eines Objekts von seiner Vorhandenheit zu seiner Zuhandenheit. Dabei ist Design immer zu verstehen als Design einer Schnittstelle zwischen Benutzer und Artefakt, die über eine physikalische und eine semiotische Ebene verfügen kann. Am Beispiel eines webbasierten eLearning-Amgebots: Zum einen gibt es die physikalische Benutzerschnittstelle in Form eines Monitors, einer Maus, eines Tastatur usw. Darüber hinaus bietet die Gestaltung des Webangebots aber eine semiotische Schnittstelle, die sich auszeichnet durch eine bestimmte Benutzerführung, Navigation und Darstellung der Inhalte. Auf beiden Ebenen werden Handlungsmöglichkeiten des Benutzers in der Interaktion mit dem Artefakt strukturiert.
Literatur:Bonsiepe, G. (1996): Interface. Design neu begreifen. Mannheim: Bollmann.
Ein tolles Buch über Interface- und Design-Theorie. Auch für Einsteiger zu empfehlen!
Bonsiepe, G. (1997): Design - the blind spot of theory.
Interessanter Text über das Verhältnis von Theorie und Praxis im Design.
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