Funktionen der VisualisierungJe nachdem, ob Visualisierungen von Lernenden oder Lehrenden erstellt werden, können sie in Lehr-Lern-Prozessen verschiedene Funktionen erfüllen. Visualisierungen von Lehrenden
Visualisierungen, die von den Lehrenden angeboten werden, haben zumeist
die Funktion den Lernprozess der Lerner effektiver zu machen sowie seine
Nachhaltigkeit zu fördern:
- Bilder können komplizierte Sachverhalte schnell begreifbar und
verarbeitbar darstellen (kognitive Ebene).
- Bilder haben eine aktivierende Wirkung. Sie sprechen die Emotionen
des Lernenden an und schaffen so eine verbesserte Aufnahmebereitschaft (emotionale Ebene).
- Bilder wirken auflockernd, sie fördern die Kreativität.
- Im Gegensatz zu Texten werden Bilder als Ganzes wahrgenommen und
erinnert.
Wie die moderne Lernforschung nachgewiesen hat, werden Inhalte besser
erinnert, wenn mehrere Aufnahmekanäle angesprochen werden. Die
gleichzeitige Ansprache verschiedener Sinne führt zu einer
Vielfach-Verankerung (multiple Kodierungstheorie).
Bei der Präsentation von Visualisierungen gibt es in diesem Zusammenhang einige
didaktische Aspekte zu beachten:
- Das Bild muss ausreichend lange und
aktiv wahrgenommen werden. Hierbei ist es z.B. vorteilhaft, wenn der
Lernende eine Abbildung beschriftet oder verändert.
- Das Bild muss mitsamt seiner enthaltenen Informationen zutreffend
erkannt werden. Daher empfiehlt es sich, Fragen zum Bild zu stellen, zu
diskutieren usw.
- Die Informationen der bildlichen Darstellung sollten sinnvoll auf
andere Informationsquellen bezogen werden (z.B. mit Texten,
Aufgabenstellung usw.)
Visualisierungen von Lernenden
Lernende können mit Hilfe von Visualisierungen Dinge ausdrücken, die
verbal schwer zu formulieren wären oder die im Rahmen der Gruppe nicht
thematisiert werden können. So können Bilder Emotionen und Stimmungen
ausdrücken, die mit dem Lernen einhergehen, die aber im Kontext einer
Lehrveranstaltung oft nicht kommuniziert werden und ein wichtiges
Feedback für den Lehrenden darstellen (...ein Bild sagt mehr als
tausend Worte!). Auch als Lernkontrolle können Visualisierungen hier
dienen.
Darüber hinaus können eigene Visualisierungen die Effektivität und die
Nachhaltigkeit des Lernens stark verbessern, weil sie eine aktive Rolle
des Lernenden und eine intensive und kreative Auseinandersetzung mit
den Lerninhalten erfordern. Man könnte sagen: An selbst erstellten
Bildern 'kristallisiert' die Erinnerung an die behandelten Themen.
Eine weitere Funktion der Visualisierung besteht in der
Vergegenwärtigung des Perspektiven-Vielfalt innerhalb einer Lerngruppe.
Den Gruppenmitgliedern wird verdeutlicht, dass es zu einem Lehrinhalt
sehr verschiedene Meinungen, Wahrnehmungen und Gefühle gibt. Die
Diskusivität des Themas wird auf diese Weise betont.
Literatur:Gudjons, H.; Luca, R.; Schulz von Thun, F.; Will, H. (1994): Mit den Augen lernen. Visualisierungstechniken in Unterricht und Seminar. Pädagogik 10/94. Hamburg: Pädagogische Beiträge Verlag.
Die Ausgabe der Zeitschrift "Pädagigik" befasst sich ausschließlich mit Visualisierungstechniken in der Lehre und stellt eine gute Einführung in das Thema dar. Die meisten der Ausführungen sind auf das eLearning übertragbar.
Will, H. (1994): Mit den Augen lernen. Medien in der Aus- und Weiterbildung. Weinheim: Beltz.
Es handelt sich um eine fünfbändige Herausgebung. Die einzelnen Bände befassen sich mit: (1) Lernen mit Bildmedien, (2) Lerntexte und Teilnehmerunterlagen, (3) Pinwand, Flipchart und Tafel, (4) Overheadprojektor und Folien und (5) Lernen mit Video und Film.
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