Das Auge lernt mit! Visualisierung als didaktisches Instrument.In der Präsenzlehre wie im eLearning sind Visualisierungen willkommene Instrumente, den Lernstoff interessanter, anschaulicher und lehrreicher zu machen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Lernforschung: Informationen werden besonders gut aufgenommen und gespeichert, wenn mehrere Sinne beteiligt sind (siehe auch Doppelte Kodierung). Trotzdem werden die Möglichkeiten der Visualisierung relativ wenig benutzt. Warum?
Lernende unterschätzen oft den Informationgehalt und die Umgangsmöglichkeiten mit Bildern. Lehrende verlassen sich lieber weitgehend auf die Sprache. Oft hat der verstärkte Gebrauch von Bildmedien (von der Wandzeichnung bis hin zu interaktiven Animationen) den Geruch einer unterhaltsamen Show statt eines ersthaften Unterrichts.
Dabei betont die Philosophie schon seit langem den erkenntnistheoretischen Wert der sinnlichen Wahrnehmung. So z.B. John Locke (1632-1704): "Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war." Leonardo Da Vinci (1452-1519) hat den gemalten Bildern sogar einen höheren Erkenntniswert gegenüber der Sprache der Dicher und der Philosophen eingeräumt. Während die Herstellung von Bildern zu jener Zeit noch mit einen großen Aufwand verbunden war, können wir uns heute aus einer riesigen Menge an Bildmedien bedienen und nutzen dies trotzdem noch viel zu wenig.
 Visuelle Wahrnehmung ist nicht unmittelbar oder objektiv, dies zeigen schon optische Täuschungen, wie sie in der obigen Abbildung dargestellt werden. Das Sehen ist vielmehr ein aktiver Vorgang, der vom Subjekt geleistet wird und daher subjektiven Gewohnheiten und Interpretationen unterliegt. Man kann das Auge also mit Bildern täuschen. Ptolemäus hatte beispielsweise festgestellt, dass doch jeder Mensch sehen könne, dass die Sonne täglich auf der einen Seite der Erde aufgehe und auf der anderen unter. Nur die Überprüfung von Kopernikus, Kepler und Galileo anhand von theoretischen Konzepten und technischen Instrumenten konnte diesen Irrtum des Bildes bzw. seiner Interpretation korrigieren (obwohl der Sprachgebrauch dem bis heute nicht folgt).
Literatur:Doelker, C. (1997): Ein Bild ist mehr als ein Bild. Visuelle Kompetenz in der Multimediagesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta.
Das Buch befasst sich mit dem Gebrauch und der Deutung visueller Sprache und will so einen neuen Zugang zu visuellen Texten (also Bilder und Text-Bild-Arrangements) ermöglichen.
Gudjons, H.; Luca, R.; Schulz von Thun, F.; Will, H. (1994): Mit den Augen lernen. Visualisierungstechniken in Unterricht und Seminar. Pädagogik 10/94. Hamburg: Pädagogische Beiträge Verlag.
Die Ausgabe der Zeitschrift "Pädagigik" befasst sich ausschließlich mit Visualisierungstechniken in der Lehre und stellt eine gute Einführung in das Thema dar. Die meisten der Ausführungen sind auf das eLearning übertragbar.
Jenny, P. (1996): Das Wort, das Spiel, das Bild: Unterrichtsmethoden für die Gestaltng von Wahrnehmungsprozessen. Zürich: vdf.
Neben essayistischen Texten zu Themen wie Abbilden, Markieren, Verwerten oder Beschreiben bietet das Buch eine Fülle von Anschauungsmaterial im Sinne einer Wahrnehmungsschule.
Radtke, S. P.; Pisani, P.; Wolters, W. (2004): Handbuch visuelle Mediengestaltung. Berlin: Cornelsen.
Ein tolles Buch, das einen hervorragenden Überblick über diejenigen Disziplinen gibt, die mit der visuellen Mediengestaltung zu tun haben. Mit CD-Rom.
Will, H. (1994): Mit den Augen lernen. Medien in der Aus- und Weiterbildung. Weinheim: Beltz.
Es handelt sich um eine fünfbändige Herausgebung. Die einzelnen Bände befassen sich mit: (1) Lernen mit Bildmedien, (2) Lerntexte und Teilnehmerunterlagen, (3) Pinwand, Flipchart und Tafel, (4) Overheadprojektor und Folien und (5) Lernen mit Video und Film.
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