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Farbe als Gestaltungselement

Die Verwendung von Farben in der Gestaltung ist eine komplexe Angelegenheit.

Nach Boring (Sensation and Perception in the History of Experimental Psychology, 1942) ist eine Farbtheorie eine (meist spekulative) Annahme über die Prozesse, die sich zwischen dem externen Reiz und der Empfindung bzw. dem Gehirn abspielen. Die verschiedenen Debatten in Kunst und Design, die um Farbmodelle geführt werden, lassen sich bis 1666 zurückverfolgen, als Isaac Newton das erste zirkuläre Farbdiagram entwickelte. Grundsätzlich gibt es in der Theorie sehr unterschiedliche Meinungen zur Anwendbarkeit verschiedener Farbmodelle, in der Praxis aber hat jede begründete Sequenz von Farbtönen ihre Existenzberechtigung. Um farbharmonische Zusammenhänge kennenzulernen, geht man am besten vom einfachen Farbrad aus:

Primärfarben: Rot, Gelb und Blau. Sie können nicht durch subtraktive Mischung anderer Farben hergestellt werden, aus ihnen kann aber jede beliebige andere Farbe gemischt werden.
Sekundärfarben: Grün, Orange und Lila. Diese Farben ergeben sich durch Mischung der Primärfarben.
Tertiärfarben: Gelb-Orange, Rot-Orange, Rot-Lila, Blau-Lila, Blau-Grün und Gelb-Grün. Diese Farben ergeben sich durch Mischung der Sekundärfarben und vervollständigen das Farbrad zu zwölf Teilbereichen.


Da im Farbkreis viele Farben wie z.B. die Pastellfarben fehlen, war die Einführung eines neuen Farbsystems notwendig. Der romantische Maler Philipp Otto Runge hat die sog. Farbkugel erfunden, in deren Mitte (auf dem Äquator) sich die reinbunten Farben befinden und an deren Polen die unbunten Farben Schwarz und Weiß gesetzt werden.



Farbkugel von Phillip Otto Runge (1810)

Die verschiedenen Farben im Farbrad haben Beziehungen zueinander, die als Farbharmonie bezeichnet werden.

In visuellen Zusammenhängen meint Harmonie eine Balance in der visuellen Rezeption. Extreme Einheitlichkeit kann dabei zu wenig, extreme Komplexität zu viel Aufmerksamkeit abverlangen.

Einige Beispiele für Farbschemata:

Analoges FarbschemaAnaloge Farben nennt man beliebige drei benachbarte Farben auf einen zwölfteiligen Farbrad. In der Regel dominiert eine der drei Farben.
Komplementärfarben (Kontrastharmonien)
Komplemetärfarben liegen sich im Farbrad gegenüber, so zum Beispiel Rot und Grün. Diese Farben haben maximalen Kontrast und maximale Stabilität.

Natürliche FarbschemataIn der Natur kommen harmonische Farbschemata vor, die nicht aus technischen Formeln für Farbharmonie abgeleitet werden können.
Monochrome FarbschemataMonochrome Farbschemata sind am Bildschirm besonders effektiv. Hierbei wird lediglich die Helligkeit eines einzelnen Farbtons verändert.

Besonderer Wert sollte beim Design von graphischen Userinterfaces auf Kontraste gelegt werden. Hierzu empfiehlt es sich, zunächst in Graustufen zu layouten und erst nachträglich ein Farbschema einzusetzen.

Die Kontextualisierung von Farben mit anderen Farben ist ein sehr komplexes Feld der Farbtheorie. Hier sollten auch die Gestaltgesetze berücksichtigt werden. Farbüberstrahlungen können dazu führen, dass ein und dieselbe Farbe unterschiedlich wahrgenommen wird. Farbwahrnehmung funktioniert also auch relativ. Die Kombination von verschiedenen Farbwerten, Farbsättigungen und Farbtönen kann die Farbwahrnehmung stark verändern.



Die beiden grauen Flächen haben exakt den selben Grauton,
wirken allerdings in Farbton und Grauwert verschieden.


Metacolor

Metacolor ist ein interessanten Tutorial für die Verwendung von Farben im Webdesign.


Eine wichtige Rolle für die Farbwahl spielen positive und negative Asoziationen, die mit einer Farbe verbunden werden. Doch Vorsicht: Diese Assoziationen sind subjektiv und kulturell determiniert. Eine Darstellung möglicher Assoziationen liefert folgende Tabelle (die bei einigen vermutlich bereits Widerspruch erzeugt):

Farbe
positive Assoziationen
negative Assoziationen
assoziative Farbnamen
Violett
Spiritualität, Mystik, Feierlichkeiten
Magie, Macht
Aubergine, Flieder, Veilchen
BlauTreue, Ruhe, Weite, Sehnsucht, Frische, Tiefe, Luft, Wasser
grün und blau schlagen, blau sein
nachtblau, meeresblau, himmelblau
GrünNatur, Wachstum, Harmonie, Leben, Beruhigung, Frische, Sympathie, Frieden, Hoffnung
Schimmel, Gift
apfelgrün, blattgrün, grasgrün, giftgrün
Gelb
Licht, Erleuchtung, Helligkeit, Sonne, reifes Obst, Blüten, Gold
Gift, Galle, Eiter, Schwefel, Neid, Eifersucht
maisgelb, goldgelb, sonnenblumengelb, schwefelgelb
Orange
Wärme, Feuer, Abendsonne, Erotik, Besänftigung, Weiblichkeit
Orangenhaut, aufreibend, Kitsch
Aprikot, Hummer, Lachs, Orange
Rot
Energie, Kraft, Liebe, Kirschen, Wärme, Lust, Feuer, Glut, Mut, Leidenschaft
Kampf, Verletzung, Mord, Gefahr, Wut, Opfer, Warnung, Sucht, Egoismus, Macht
korallenrot, rosenrot, feuerrot, Bordeaux, kirschrot, blutrot, purpur
Braun
Bäume, Holz, Nüsse, Tabak, Muttererde
Gutbügerlichkeit, Nazis, Fäkalien
erdbraun, nussbraun, schokoladenbraun
Weiß
Unschuld, Weite, Sauberkeit, Leere, Ausgeglichenheit
Sterilität, Kälte
schneeweiß, kreideweiß, reinweiß
Grau
Asche, Asphalt, Mäuse, Alter
Farblosigkeit, Hoffnungslosikeit, Tristess, Theorie
stahlgrau, steingrau, Granit, mausgrau
Schwarz
Nacht, Rückzug, Erotik, Geheimnis, Unterbewusstsein
Tod, Trauer, Bosheit, Macht, Verbotenes
pechschwarz, rabenschwarz, schwarz wie die Nacht


Literatur:

Boring, Edwin G. (1977): Sensation and Perception in the History of Experimental Psychology. Irvington: Irvington Pub
Grundlagenwerk zur Farbtheorie.

Küppers, H.(1987): Farbe. Ursprung, Systematik, Anwendung. München: Cellway.
Eine gute Einführung in die Farbtheorie.