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Gestaltgesetze und Gestaltpsychologie

Die Gestaltgesetze die Funktionsweisen und Eigenheiten der menschlichen Wahrnehmung und sind daher gestalterisches Basiswissen.

Die Gestaltpsychologie geht davon aus, dass die im Sehprozess verarbeiteteten optischen Reize bestimmten Gesetzen folgen, die sich auf die Funktion des Sehapparates und die physiologischen Vorgänge des Erkenntnisaktes gründen. Diese sogenannten Gestaltgesetze versuchen zu erklären, wie Menschen visuelle Ordnungen wahrnehmen und sind gestalterisches Basiswissen, auch wenn es selbst bei professionellen Gestaltern oft nur implizit vorhanden ist.

Der Begriff der Gestalt konstituiert sich aus der Form als äußerer Begrenzung und Figur als die Abgehobenheit vom Grund.



Das Prinzip der qualitativen Erfassung von Gesetzmässigkeiten einer herausgehobenen Gestalt bezeichnet man als Prägnanz. Prägnante Gestalten weisen oft einfache, geschlossene Form- und Figurmerkmale auf. So tritt das komplexere Muster links oben gegenüber den Einfachen darunter in den Hintergrund.



Die Prägnanz eines gestalteten Objekts ist ein Resultat seiner Gestaltfaktoren:

Gleichheit: Sind unter einer Anzahl verschiedenartiger Figuren zwei oder mehr gleichartig, werden sie als Gruppe wahrgenommen.
Geschlossenheit: Figuren, die durch geschlossene Linien wie z.B. Quadrate oder Kreise gebildet werden, treten stärker hervor als offene.
Nähe: Die Elemente mit dem geringsten Abstand voneinander werden zu Gruppen zusammengefasst.
Symmetrie: Achsen- und punktsymmetrische Formen haben hohe Prägnanz. Eine der prägnantesten Gestalten ist die auf eine vertikale Achse bezogene Symmetrie.

Erfahrung: Da die Erfahrung auf kritische Formmerkmale einer bestimmten Menge von Formen und Figuren zurückgreift, treten diese selbst dann hervor, wenn sie nur unvollständig oder verzerrt wiedergegeben werden.

Geometrische exakte Formen führen teilweise zu falschen optischen Eindrücken. Verschiedenen dieser optischen Täuschungen muss bei der Gestaltung Rechnung getragen werden:

Irradiation oder Überstrahlung: Helle Formen auf dunklem Grund erscheinen größer als dunkle Formen auf hellem Grund. Die Aberrationsstreuung verschiebt die Begrenzung von Fläche und Grund. Dies gilt auch für Schrift!
Kontrast- und Ausgleichstäuschungen: Eine Form verändert ihre scheinbare Größe entgegengesetzt der Größe der sie umgebenden Elemente. Figuren, die in der Höhe gleichartig, aber geometrisch verschieden sind, müssen optisch angeglichen werden.
Überbewertung vertikaler Linien: Die Sehschärfe ist in horizontaler Richtung stärker ausgeprägt. Geometrisch exakte Quadrate wirken daher subjektiv zu niedrig. Die optische Mitte liegt knapp oberhalb der auf diesem Bild zu sehenden geometrischen Mitte.
Der Goldene Schnitt teilt Flächen und Strecken in das Verhaltnis von etwa 3:5. Dieses Verhältnis wird in der Regel vom Betrachter als harmonisch und angenehm empfunden, vermutlich weil es in natürlichen Formen immer wieder auftritt (z.B. Seestern, Blüten). Auch in der Gestaltung von Webseiten ist eine Orientierung am goldenen Schnitt oft zuträglich. Achsensymmetrische Formen wirken im Vergleich oft schwerfällig und langweilig.


Literatur:

Katz, D. (1948): Gestaltpsychologie. Basel.
Ein Standardwerk der Gestaltpsychologie. Alt, aber sehr spannend!
Radtke, S. P.; Pisani, P.; Wolters, W. (2004): Handbuch visuelle Mediengestaltung. Berlin: Cornelsen.
Ein tolles Buch, das einen hervorragenden Überblick über diejenigen Disziplinen gibt, die mit der visuellen Mediengestaltung zu tun haben. Mit CD-Rom.