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Interface - Benutzerschnittstelle

Der Begriff des Interface (=Schnittstelle?) wird heute oft verwendet, ohne dass dabei so richtig klar ist, was mit ihm gemeint wird.

Die lateinische Herleitung des englischen Begriffes Interface sagt einiges über seine Bedeutung aus: Der Wortteil inter (lat.: zwischen) deutet darauf hin, dass es sich mit der Wechselwirkung zweier Entitäten befasst. Der Wortteil face (engl. Gesicht, Gestalt) leitet sich, wie Etymologen vermuten, von dem lateinischen Verb facere (lat. machen, tun) ab. Durch ihn wird angezeigt, dass an diesem Ort eine Form von (Inter-)Aktion stattfindet.

Es werden mit Hilfe des Interfaces Operationen zwischen Anwender und Artefakt vollzogen, welche ihrerseits stark durch die qualitative Beschaffenheit des Interface beeinflusst werden. Somit ermöglicht es den anwendungsbezogenen Zugang zum Artefakt und dessen Verwendung in Hinsicht auf die Erfüllung eines Zweckes. Gui Bonsiepe hat zur Visualisierung dieses Sachverhalts ein onthologisches Designdiagramm vorgeschlagen:



Ontologisches Designdiagramm nach G. Bonsiepe: Die drei Elemente Benutzer, Aufgabe und Werkzeug sind durch das Interface miteinander verbunden.


Komplexe Systeme können verschiedene Zustände annehmen, deren Repräsentation extern oder intern erfolgen kann. Hierdurch entsteht die Notwendigkeit eines Interfaces, welches interne Repräsentationen externalisiert, also den inneren Zustand des Artefakts an seiner Oberfläche sinnlich erfahrbar macht. Gleichzeitig bietet das Interface die Möglichkeit diesen Zustand in einem Rahmen zu verändern, den das Interface vorgibt. Insgesamt kommt es durch das Interface zu einer Abstraktion der Handlungen eines Anwenders von der Aufgabe, die mit den Handlungen verfolgt wird. Es sind nicht mehr die Handlungen selbst, die auf ein Handlungsziel gerichtet sind, es ist die Emergenz der Rückkopplung zwischen Interface und Anwender, die zum Handlungsziel führt. Dabei wird diese Rückkopplung unter Nutzung von Zeichensystemen vollzogen.



Rückkopplung zwischen Anwender und Artefakt über das Interface
im Hinblick auf das Handlungsziel bzw. die Aufgabe


Das Ziel ist also die Entwicklung eines Interface, welches seinem Benutzer hilft, eine beliebige Aufgabe effektiv zu erfüllen: z.B. die Aneignung von Informationen, der Erwerb von Wissen (so problematisch diese Formulierung sein mag) oder die Durchführung von Kommunikationen.

Dazu Bonsiepe: "Durch das Design des Interface wird der Handlungsraum des Benutzers gegliedert. Das Interface erschliesst den Werkzeugcharakter von Objeken und den Informationsgehalt von Daten, Interface macht Gegenstände zu Produkten, Interface macht aus Daten verständliche Informationen." (Bonsiepe 1996, S.20)

Jeffrey Zeldman formuliert die Anforderungen an das Interface folgendermaßen: "Websites provide content, interfaces provide context." In Übereinstimmung mit Bonsiepe erkennt also auch er die Funktion des Interfaces darin, Inhalte so zu gliedern, dass durch Kontextualisierung Bedeutungen entstehen. Ein gutes Interface, so Zeldmann, beantwortet folgende zwei Fragenkomplexe:
  • Substanz: Um was für eine Site handelt es sich? Was ist Ihr Zweck? Welche Inhalte und Dienste werden angeboten? Bietet mir die Site den Content an, den ich suche, oder ist die Site für mich und meine Interessen gegenstandslos?.
  • Orientierung: Wo bin ich? Wie kann ich finden, was ich suche? Kann ich es schnell finden? Und wenn ich einen falschen Weg einschlage, finde ich zurück?
Um den Handlungsraum eines Hypertextdokumentes so zu gliedern, dass es effektiv nutzbar ist, müssen Kriterien der Interfacegestaltung entwickelt und konsistent umgesetzt werden, z.B.:
  • Erkennbare Relevanz der Daten.
  • Einschätzbare Datenmenge.
  • Der Anwender sollte die Daten in Beziehung zu seinem Vorwissen setzen können.
  • Der Anwender sollte sich auf Erfahrungen mit ähnlichen Umgebungen berufen können.
  • Die Daten sollten mediengerecht aufbereitet werden.
  • Die Daten sollten nachvollziehbar strukturiert sein.
  • Das System sollte erwartungsgemäß und möglichst verzögerungsfrei reagieren.
In der Praxis muss die Umsetzung dieser Kriterien vom Charakter der jeweiligen Website und den Ansprüchen, Erwartungen und Erfahrungen seiner Benutzer abhängig gemacht werden.


Literatur:

Bonsiepe, G. (1996): Interface. Design neu begreifen. Mannheim: Bollmann.
Ein tolles Buch über Interface- und Design-Theorie. Auch für Einsteiger zu empfehlen!
Bonsiepe, G. (1997): Design - the blind spot of theory.
Interessanter Text über das Verhältnis von Theorie und Praxis im Design.
Bonsiepe, G. (2000): Design as a tool for Cognitive Metabolism: From Knowledge Production to Knowledge Presentation.
Der Text versucht zu erklären, welche Rolle das Design bei der Darstellung und Vermittlung von Wissen spielen kann.
Fleming, J. (1998): Web Navigation: Designing the User Experience. Sebastopol, CA: O'Reilly.
Ein tolles Buch über Navigationssysteme von Webseiten.