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Usability und Benutzerfreundlichkeit

Benutzerfreundlichkeit ist eine der Grundanforderungen an Webseiten. Insbesondere webbasierte Lernangebote sollten sich nach den Usability-Kriterien richten.

Bewegt man sich im Netz von einer Webseite zur anderen wird schnell deutlich, dass es im Webdesign zwei unterschiedliche Paradigmen gibt: den design-orientierten Ansatz einerseits und den benutzer-orientierten Ansatz andererseits.

Webseiten, die sich dem ersten Ansatz verpflichtet sehen, zeichnen sich oft durch hochmoderne Gestaltung, experimentelle Interfaces, ausgeprägte Multimedialität und hohe Ladezeiten aus. Benutzerorientierte Webseiten sind oft konservativer gestaltet und sind schnell zu laden. Multimedia wird hier nicht als Selbstzweck verwendet sondern nur dann, wenn es unersetzbar für ein kommunikatives Ziel ist.

Die Vertreter beider Paradigmen stehen seit Jahren in einer intensiven Auseinandersetzung miteinander, tatsächlich aber sollte ein gelungenes Webangebot ein ansprechendes Design mit der Realisierung von Benutzerfreundlichkeit bzw. Usability vereinen.
Jakob Nielsen
Der Amerikaner Jakob Nielsen ist bekannt als "Usability-Papst". In einer Vielzahl von Publikationen äußert er sich zu dem Problem der Benutzerfreundlichkeit und gibt Ratschlage für benutzerfreundliches Webdesign. Den Begriff der Usability definiert er folgendermaßen: Usability bedeutet, dass ein System

  • leicht erlernbar ist,
  • effizient benutzbar sein soll,
  • eine geringe Fehlerrate in der Benutzung aufweist und
  • den Nutzer im Hinblick auf sein Nutzungsziel befriedigen soll.
Nielsens Benchmarks zu Beurteilung der Usability einer Website sind nicht ästhetischer Natur, sondern sie fragen beispielsweise nach Ladezeiten, Ausnutzung der begrenzten Bildschirmfläche oder jenen Faktoren, die dem User erleichtern, schnell und unkompliziert die Informationen zu finden, die gesucht werden. Auf der Grundlage umfangreicher Untersuchungen und ständiger Zusammenarbeit mit Internetnutzern kam Jakob Nielsen zu zwei einleuchtenden Erkenntnissen:
  • Ein Web-Anwender möchte möglichst schnell das finden, was er sucht.
  • Wenn ein Nutzer nicht weiß, was er sucht, möchte er dennoch schnell browsen können und Informationen in logischer Struktur vorfinden.
Von größter Wichtigkeit ist für Nielsen daher die Durchführung von umfangreichen User-Tests.

Hauptsächlich handelt es sich bei der Frage nach Benutzerfreundlichkeit um die Frage nach den Möglichkeiten, die Bedienung des Systems zu erlernen und es in der Folge effektiv zu verwenden. Die konsequente Durchführung von User-Tests schafft in bezug auf diese Fragen die folgenden durchschnittlichen Verbesserungen:
  • Erlernbarkeit der Schnittstelle: 100%
  • Nutzungseffizienz: 25%
  • Benutzungsfehler: 500%
Zwar haben die Feststellungen Jakob Nielsens im Netz einiges bewirkt, aber trotzdem sind die allermeisten Websites in Bezug auf Nielsens Usability-Gedanken unzureichend. Daher hier die goldenen Nielsen-Regeln für die richtige Durchführung von User-Tests:
  • Verwende richtige, authetische Internetuser, die für Dein Zielpublikum repräsentativ sind.
  • Teste die Seite nicht mit Deinen Mitarbeitern.
  • Stelle dem User echte Aufgaben. Lasse den Benutzer nicht einfach nur mit dem Interface spielen, lasse ihn bestimmte Informationen suchen oder etwas Bestimmtes kaufen.
  • Lass den User laut denken und gib ihm keine Hilfestellung.
Natürlich sind eLearning-Angebote besonders an die Erfordernisse der Benutzerfreundlichkeit gebunden. Das Lernen soll sich ja idealerweise auf die Inhalte des Angebots beziehen, nicht auf die Benutzerschnittstelle als solche. Die Benutzung sollte möglichst daher intuitiv erfolgen, ohne dass sich der Lernende lange mit der Technik und ihrer Handhabung beschäftigen muss. Daher sind besonders experimentelle Benutzerschnittstellen, die nicht auf die Erfahrung der Nutzer bauen können, mit Vorsicht einzusetzen und immer auf Ihre didaktische Funktion hin zu prüfen.

Trotzdem können manchmal gerade kreative und innovative Interfaces in didaktischer Hinsicht besonders sinnvoll eingesetzt werden. Das vorliegende Lernmodul versucht hierfür ein Beispiel abzuliefern.


Literatur:

Nielsen, J. (1994): Designing web usability. München: Markt und Technik.
Das Standardwerk des Usability-Papstes Jakob Nielsen.
Nielsen, J. (2000): Erfolg des Einfachen. München: Markt und Technik.
Nielsen spricht sich mit diesem Buch gegen verspielte, überladene und aufwändige Webgestaltung aus. Für ihn liegt die Kunst darin, sich auf das Einfache und Übersichtliche zu beschränken. Keep it simple!
Nielsen, J.; Tahir, M. (2002): Homepage Usability. 50 enttarnte Websites. München: Markt und Technik.
In diesem Buch werden Usability-Studien zu bekannten und z.T. erfolgreichen Webseiten großer Unternehmen angeboten. Schön zu sehen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt! 
Schulz, U. (2002): Usability Kriterien für E-Learning.
Eine kurze Zusammenstellung von Usability-Aspekten, die insbesondere für das eLearning eine Rolle spielen. Der Text hat eher den Charakter einer Checkliste!
Schwelbenz, W.; Thissen, Frank (2003): Qualität im Web. Benutzerfreundliche Webseiten durch Usability Evaluation. Berlin: Springer.
Das Buch gibt einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Usability-Evaluation.