Warum eigentlich Gestaltung???Warum ist die visuelle Gestaltung von eLearning-Angeboten wichtig? Und was hat das ganze mit Didaktik zu tun?
Viele werden sagen, die visuelle gestalterische Umsetzung von eLearning-Angeboten sei nicht ein didaktisches Problem im eigentlichen Sinne. Dem soll hier widersprochen werden! Gehen wir einmal aus von einer konventionellen Lehrveranstaltung, von einer klassischen Vorlesung. Didaktische Fragestellungen an eine solche Lehrveranstaltung drehen sich beispielsweise um die sinnvolle Gestaltung von Aufgaben und Übungen, um die Verwendung von Fallstudien oder problemorientierten Materialien, um die Verbesserung der Motivation der Lernenden usw. Darüber hinaus spielt aber eine gewichtige Rolle, wie der Vortrags- und Moderationsstil des Lehrenden beschaffen ist. Nuschelt der Lehrende in Bandwurmsatzen vor sich hin, oder spricht er in einer klaren verständlichen Sprache und Artikulation? Doziert er zu seinem eigenen Vergnügen oder spricht die Studierenden direkt an und sucht den Blickkontakt? Beschränkt er sich auf die Kraft seiner Sprache oder nutzt er Visualisierungen und lockert das Unterrichtsgeschehen mit Bildmaterialien auf?

Beziehen wir nun solche Fragen auf die Herstellung von eLearning-Angeboten, so handelt es sich dabei um Probleme der Gestaltung, die in diesem Bereich von E-Didakt behandelt werden sollen! Was muss ich beachten, damit die Webseiten nicht zu lange Ladezeiten brauchen? Was muss ich bei der farblichen Gestaltung beachten? Welche Möglichkeiten der Visualisierung habe ich?
Der Bereich des graphischen Designs wird treffenderweise oft auch als visuelle Rhetorik bezeichnet! Der Rhetorik des geübten Dozenten entspricht nach dieser Analogie das gelungene Design der digitalen eLearning-Materialien. Und wer hört nicht einem rhetorisch geschulten Redner aufmerksamer und interessierter zu als dem monotonen Vortrag eines Professor Hastig?!? Ob es sich um eine Universitätsvorlesung handelt oder um ein netzbasiertes Selbslernmodul: Schöne Dinge funktionieren einfach besser! Und das hat auch eine Ursache, die Donald A. Norman unter dem Begriff des "emotional designs" erläutert: Schöne Dinge schaffen eine angenehme Stimmung, eine positive Grundhaltung gegenüber den anstehenden Aufgaben oder Lerninhalten. Dies hat wiederum positive Auswirkungen auf die Aufnahmebereitschaft und den Lernerfolg. "Use a pleasing design, one that looks good and feels well, sexy, and the behaviour seems to go along more smoothly, more easily, and better." (Norman 2002)
Dass Emotionen beim eLearning sowie beim Lernen überhaupt eine wichtige Rolle spielen, ist inzwischen allgemeiner Konsenz. Beispielsweise stellt Hermann Astleitner (2000) mit seinem FEASP-Ansatz einen Katalog von Strategien vor, die eine emotionalisierte internetbasierte Aus- und Weiterbildung ermöglichen sollen. Auch Reinmann-Rothmeier spricht von Emotionen als den "vergessenen Weggefährten des Lernens" (2004) bzw. eLearnings. Leider wird in Untersuchungen wie dieser bislang nicht thematisiert, dass schon die Gestaltung der internetbasierten Schnittstellen einen großen Einfluss auf das Entstehen solcher Emotionen hat.
Literatur:Astleitner, H. (2000): Emotionen und web-basierte Erziehung.
Hermann Astleitner erläutert sein sog. FEASP-System, eine Klassifizierung von Emotionen, die mit dem Lernen im Zusammenhang stehen. Es wird ein Katalog von Maßnahmen für das eLearning vorgeschlagen, mit dem diese emotionen positiv zu beeinflussen sind.
Norman, D. A. (2002): Emotion and Design: Attractive Things work better. In: Interactions Magazine, ix (4), 36-42.
Schöne Dinge funktionieren besser? Norman begründet seine These mit einem interessanten Cocktail aus Mental Modelling, Gehirn- und Verhaltensforschung.
Norman, D. A. (2002): Emotional design. In: Interaction Magazine, 9 (4), 36-42. New York: ACM.
Man kann Normans These ungefähr so auf den Punkt bringen: Ein gelungenens Design macht ein gutes Gefühl. Und mit einem guten Gefühl lassen sich Probleme besser und kreativer lösen. Die Lernforschung gibt ihm da Recht.
Reinmann, G. (2004). Die vergessenen Weggefährten des Lernens: Emotionen beim eLearning.. In H.O. Mayer & D. Treichel (Hrsg.), Handlungsorientiertes Lernen und eLearning (S. 101-118). München: Oldenbourg.
Zur Bedeutung von Emotionen beim eLearning, wobei zunächst eine Begriffserklärung versucht wird, dann werden verschiedene Modellevorgestellt, bzw. ein eigenes Modell entwickelt, emotionale Anteile des Lernprozesses zu erklären und daraus Handlungsoptionen für die Gestaltung virtueller Lernumgebungen abzuleiten.
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