Komplexe Lernaufgaben als Auslöser von LernprozessenLernaufgaben strukturieren den Lernprozess. Vorgestellt werden neben einer kurzen Begründung des selbstgesteuerten Lernens verschiedene Typen (komplexer) Lernaufgaben.
Im Gegensatz zu eher nachprüfenden Aufgaben (siehe auch Aufgaben und
Tests oder Material, Inhalt, Aufgabe haben Lernaufgaben die
Funktion, den Lernprozess selbst zu aktivieren (vgl. Petschenka et al.
2004, S. 2). Dabei wird über eine Aufgabe eine bestimmte (aktive) Art
des Umgangs mit dem Lehrinhalt angeboten und vorstrukturiert. Solche
Aufgaben können sich zunächst allgemein auf die Entwicklung
subjektiv-relevanter Themen beziehen:
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Welche Erwartungen habe ich als
Lerner an ein bestimmtes Wissensgebiet?
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Welches Vorwissen bringe ich
mit?
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Welche Probleme sollen mit dem neuen Wissen gelöst werden?
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Welche
Anteile sind für mich überhaupt lebensweltlich relevant?
Sie strukturieren den inhaltlichen Vermittlungsprozess selbst:
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Wie strukturiere ich den Inhalt?
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Nach welchen Fragestellungen?
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Wie kann ich das Wissen anwenden?
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Für welche Probleme ist es relevant?
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Wo liegt Transferpotenzial und wie gestaltet sich der Transfer?
Lernaufgaben ermöglichen vor allem eine eigenständige
Auseinandersetzung der Lernenden mit dem angebotenen Lehrinhalt. Ein
vermeintlich "didaktisiertes" Lernmodul kann zwar selbständig (d.h. im
Alleingang, ohne Anleitung durch einen Dozenten) durchgearbeitet
werden, ob hier jedoch tatsächlich eine selbständige Konstruktion neuen
Wissens erfolgt, bleibt fraglich, solange keine Einbettung in ein
Lernarrangement erfolgt (vgl. Integration von Lehr-/Lernprozessen im
BL)
"Erhalten die Studierenden eine virtuelle Komponente zum
'selbständigen Lernen', dann sollten sie damit nicht allein gelassen
werden. Ein solches Angebot muß Rückwirkungen auf die Organisation der
Lehre insgesamt haben." (Schulmeister 2003: 157).
Selbstgesteuertes Lernen bedeutet weit mehr als die Rezeption eines
Inhalts durch einen Lerner (vgl. Euler 2001, S. 7-8).
"Das
selbstgesteuerte Lernen verlagert die Verantwortung für den Lernerfolg
vom Lehrenden auf den Lernenden, macht aber den Lehrenden nicht
überflüssig, sondern weist ihm neue Aufgaben zu. Er kann verstärkt von
den Lernenden mit Fragen und Inhalten konfrontiert werden, die ihm
unbekannt sind. Seine neue Rolle besteht weniger in der Vermittlung von
Inhalten, sondern mehr in der Organisation und Moderation von
Lernprozessen. Auch E-Learning ist ein sozialer Prozess, der sich nicht
zwangsläufig und selbstverständlich entwickelt, sondern der gestaltet
werden muss." (Schenkel 2002, S. 31 f, zit. nach Euler 2001, S. 8)
Unter Komplexen Aufgabentypen fassen Petschenka et al. (2004)
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Verständnisaufgaben
- Anwendungsaufgaben
- Analyseaufgaben
- Bewertungsaufgaben bis hin zu
- Planspielen
zusammen und geben dafür
Beispiele aus dem Bereich des eLearning. Ausführliche Beispiele für die Abhängigkeit von Aufgabenstellung und
didaktischer Aufbereitung des Materials finden sich auch in Schulmeister
(2002).
Kooperative Lernaufgabe
Kooperative Lernaufgabe
Im Rahmen eines Workshops zur Einbindung virtueller Lehranteile in Präsenzveranstaltungen wurde von Christian Huck eine Übung für ein literaturwissenschaftliches Seminar (Anglistik) entwickelt.
Thematisch befasst sich die Veranstaltung mit "Early Female Writing: Before 1750" (Der Ankündigungstext findet sich unter: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/fb07/EnglS/Lehrplaene/LP-ws-03-04/LP_BE/Huck.pdf )
Die Übung wurde in der asynchronen Groupware BSCW (Basic Support for Cooperative Work) erstellt. Sie findet in der Einstiegsphase des Seminars statt. Die Aufgabenstellung lautet:
"Suchen Sie im Internet nach 'Female writers' vor 1750 und stellen sie diese mit Lebensdaten, Hauptwerken und Kurzkommentar in einer Notiz vor. Meiden sie Doppelungen!"
Die Aufgabe wird als "Hausaufgabe" zwischen zwei Präsenzsitzungen gestellt. Ziel ist ein thematischer Einstieg in das Thema (Kennenlernen von Schriftstellerinnen vor 1750). Der Lehrende gibt als Hilfe zwei Links zu inhaltlich spezialisierten Seiten an.
Notizzettel sind ein asynchrones Tool des Programms. Die Aufgabe hat einen didaktischen Mehrwert auf mehreren Ebenen:
- Sie ist kooperativ, weil die Arbeit des einzelnen Teilnehmers an Ergebnisse anderer Gruppenmitglieder anknüpft.
- Die Teilnehmer profitieren von den Ergebnissen der anderen und sparen somit Zeit.
- Durch die gleichzeitige Bearbeitung des Themas wird schnell eine gewisse Verarbeitungstiefe erreicht: Offensichtliche Wiederholungen entfallen, es werden statt dessen ausgefallenere Lösungen integriert.
- Die Hierarchisierung von "berühmt" / "kanonisiert" gegenüber "weniger bekannt" wird durch die Recherche über eine Suchmaschine "mitgeliefert". Viele Suchergebnisse können dabei auf einen höheren Bekanntheitsgrad schließen lassen. Zu diesen Ergebnissen können die Studierenden Hypothesen aufstellen, die weitere Recherchen bedingen.
- Die Lektüre und das Überprüfen, ob "etwas schon da ist", führt zu einer ersten inhaltlichen Begegnung mit dem Inhalt. Die vorgegebenen Kategorien (Lebensdaten, Hauptwerke etc.) strukturieren den Inhalt mögen dadurch zu besserem Behalten beitragen.
- Die Ergebnisse sind dokumentiert und gespeichert und können jederzeit erneut abgerufen werden.
Aufgaben Checkliste
Die Checkliste stellt verschiedene, didaktische Fragestellungen der Aufgabenkonstruktion zusammen.
Literatur:Euler, D. (2004): Selbstgesteuertes Lernen mit Multimedia und Telekommunikation gestalten. In: Hohenstein, A.; Wilbers, K. (Hg.): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis (Loseblattsammlung 4.1). Neuwied: Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst.
Guter Einstiegstext, macht einen großen Bogen zu allen wichtigen Problemen des eLearning und fokussiert dann die Mehrwertfrage unter der Kategorie des selbstgesteuerten Lernens ? "wie kann man selbstgesteuertes Lernen durch eLearning verbessern?" Auch konkrete Tipps (Checkliste) zur Implementierung von eLearning-Angeboten.
Petschenka, A.; Ojstersek, N.; Kerres, M.: Lernaufgaben gestalten - Lerner aktivieren mit didaktisch sinnvollen Aufgaben. In: Hohenstein, A.; Wilbers, K. (Hg.): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis (Loseblattsammlung 4.19). Neuwied: Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst.
Verschiedene Aufgabentypen in ihrer Relation zu verschiedenen Wissenstypen. Konkrete Tipps zur Erstellung von Aufgaben, allerdings insgesamt doch sehr stark dem "Rückmeldungs"-Schema verhaftet.
Schenkel, P. (2000): Lerntechnologien in der beruflichen Bildung. Bonn
Schulmeister, R. (2003): Lernplattformen für das virtuelle Lernen. Evaluation und Didaktik. München/Wien: Oldenbourg Verlag.
Welche Lernplattform eignet sich wofür? Das Buch vergleicht alle in Europa im Jahr 2000 verfügbaren Lernplattformen.
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