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Integration von Lehr- und Lernprozessen im Blended-Learning

Zur Notwendigkeit, Lehr- und Lernprozesse aufeinander zu beziehen, in Reaktion auf Ansätze des Instruktionsdesigns das Augenmerk stärker auf die Aktivitäten der Lernenden zu richten.

"Die Datenautobahn wird aber nicht automatisch zu einem neuen Lernschnellweg, denn Lernen kommt nicht durch die Anhäufung von Wissen zu Stande, sondern erst durch dessen Aneignung." (Euler, zit. nach Kremer/Sloane 2001, S. 4).

Dieser Aneignungsprozess neuen Wissens kann potenziell durch den Einsatz neuer Medien unterstützt werden:

  • Vielperspektivische Darstellung,
  • Informationsfülle,
  • permanenter Wandel und Erweiterung der Inhalte
  • stärke Beteiligung des Lernenden
Diesen Spezifika virtueller Lehre wird gemeinhin ein didaktischer Mehrwert zugeschrieben. Sie können jedoch in ihrer Komplexität auch ganz im Gegenteil den Aneignungsprozess erschweren: Wie nähere ich mich als Lernender einem vernetzten, interaktiven und meine eigene Motivation fordernden Gegenstand, ohne mich im "ziellosen Durchklicken" zu verlieren?

Die Herausforderung an die Didaktik liegt also gerade darin, den Aneignungsprozess zu gestalten. Für die Erarbeitungsprozesse der Lernenden sollen einerseits mögliche Wege aufgezeigt werden.

Wie der einzelne Lernende einen vorgeschlagenen Weg beschreitet, wie der Aneignungsprozess tatsächlich verläuft, bleibt individuell und subjektiv, lässt sich kaum vorhersagen und kann allenfalls durch kommunikative Prozesse (Interaktion mit anderen Lernenden und dem Lehrenden) geäußert werden.

Die didaktische Anlage eines Lehr-/Lernprozesses sollte also andererseits auch dem Austausch, der Überprüfung der individuellen Wissenskonstruktion, dem tatsächlichen Umgang mit dem angebotenem Lernweg Raum gewähren (vgl. hierzu vertiefend die Kritik am Instruktionsdesign bei Schulmeister (2002, Kapitel 5) und bei Kerres (2001).

Ansätze des Instruktionsdesigns gehen stark von objektivierbaren Lerninhalten und Aneignungsprozessen aus. In eher konstruktivistischen Annahmen über Wissensentstehungsprozesse wird dem ein lerner- und prozessorientiertes Verständnis von Lernprozessen gegenübergestellt: Wissensentstehung kann hier nicht kontextunabhängig, objektivierbar, messbar und losgelöst von Prozessen sozialer Aushandlung begriffen werden.

Die Anlage von Blended-Learning-Arrangements sollte also beide Seiten - Vorschläge für Lernwege und Räume, in denen die Lernwege individuell beschritten werden - integrieren. Kerres beschreibt in diesem Zusammenhang "didaktische Elemente" des Lernprozesses auf der Seite des Lehrenden und Lernenden: (Tabelle Kerres 2001 S. 9 liegt als kopie im stapel)

Diese Zusammenstellung geht jedoch von einer "relativ starren Folge von Lehr-/Lernaktivitäten aus" (Kerres 2001, S. 10) und blendet die Bedeutung sozialer Prozesse für das Lernen weitgehend aus (lesen sie hierzu auch Gruppendynamische Prozesse)


Literatur:

Kerres, Michael (2004): "Online- und Präsenzelemente in Lernarrangements kombinieren". In: Hohenstein & Wilbers, 4.5
In Anlehung an das Gagnésche Modell des Instruktionsdesigns werden didaktische Kategorien für Blended-Learning-Arrangements entwickelt
Schulmeister, R. (2002): Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie - Didaktik - Design. München/Wien: Oldenbourg Verlag.
Multimedia und Hypermedia werden hier aus der interdisziplinären Perspektive von Informatik, Psychologie und Didaktik betrachtet. Lernsoftware wird kritisch diskutiert und der Wechsel von purer Instruktion zu neuen Konzepten, die das Lernen im sozialen Kontext in den Mittelpunkt rücken, geschildert.