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Warum Blended Learning? Annahmen über den didaktischen Mehrwert

Begründung des angenommenen didaktischen Mehrwerts von Blended-Learning-Szenarien vor lerntheoretischem und arbeitsorganisatorischem Hintergrund.

Wenn Blended-Learning-Szenarios einen spezifischen didaktischen Mehrwert entwickeln können, so liegt dieser in erster Linie im Bereich der "begründeten Kombination" (Kerres 2001, S. 2) virtueller und präsenter Anteile des Lehr-/Lernprozesses.

Parallel dazu nehmen wir an, dass Lernprozesse vor allem dann unterstützt werden, wenn die Handlungen des Lehrenden (z.B. Referieren, Visualisieren) systematisch auf die Handlungen der Lernenden (z.B. Üben, Fallbeispiele lösen, Sachverhalte nachvollziehen) bezogen werden. Lesen Sie hierzu auch über die Integration von Lehr-/Lernprozessen und sehen Sie sich die folgende Übung an:

Lehr- und Lernhandeln

Dies Übung soll den Begriff des Lehr- und Lernhandelns vermitteln. Sie können die Lehr- und Lernhandlungen eines Lernszenarios zu Präsent- und Online-Phasen zuordnen, um sich den wechselseitigen Bezug zu verdeutlichen.


Im Blended Learning sind also verschiedene Arten von Medien, Einrichtungen und personalen Dienstleistungen systematisch aufeinander bezogen (Kerres 2001, S. 8). Ein Mehrwert entsteht daher nie durch ein virtuelles Lernmodul allein, sondern vor allem durch die Art seiner An- und Einbindung, so "dass die besondere Qualität und auch Effizienz eines Lernangebots vor allem in der Kombination [Herv. Original] von Elementen unterschiedlicher methodischer und medialer Aufbereitung zum Tragen kommt." (Kerres 2001, S. 3).

Statt Präsenz- und online-Lehre alternativ zueinander zu diskutieren, geht es beim Blended-Learning vielmehr darum, eine lernförderliche Verzahnung der spezifischen Charakteristika beider Arten der Lehre zu erreichen. Dabei ist es kaum möglich, diese spezifischen Charakteristika trennscharf zu benennen.

Reinmann-Rothmeier (2003) betont vor der Fragestellung der Lerntheorien, dass Blended-Learning-Arrangments nicht nur ein "Gemisch" von virtueller und präsenter Lehre bedeutet. Ein solches Gemisch verschiedener Methoden und Arbeitsphasen als Planung konkreter didaktischer Handlungen impliziert auch, dass verschiedene Lerntheorien zur Begründung herangezogen werden. Ein gesamtes Arrangement für ein Blended-Learning-Szenario wird Anteile verschiedener Lerntheorien integrieren und weder konsequent "behavioristisch", noch konsequent "kognitivistisch" oder "konstruktivistisch" gestaltet sein. Konkretes didaktisches Handeln in einer Lehrsituation kann zwar auf der Basis lerntheoretischer Überzeugungen gestaltet werden. Stringente Ableitungen einer Handlung von einer Theorie wird es jedoch kaum geben, situative Faktoren bedingen das Handeln und lassen somit immer für jede Einzelhandlung eine komplexe Situation entstehen. (Vgl. Reinmann-Rothmeier 2003, S. 38 ff).

Ein solches "gemischtes" Theorieverständnis macht auch noch einmal deutlich, dass die verschiedenen Lerntheorien nicht "an und für sich" besser oder schlechter "geeignet" für die Erstellung von eLearning-Angeboten sind, sondern dass auch hier eine Verbindung möglich ist, die verschiedene Funktionen des Lernprozesses abdecken kann.


Literatur:

Kerres, Michael (2004): "Online- und Präsenzelemente in Lernarrangements kombinieren". In: Hohenstein & Wilbers, 4.5
In Anlehung an das Gagnésche Modell des Instruktionsdesigns werden didaktische Kategorien für Blended-Learning-Arrangements entwickelt
Reinmann-Rothmeier, Gabi (2003): Didaktische Innovation durch Blended Learning. Leitlinien anhand eines Beispiels aus der Hochschule. Bern et al.: Verlag Hans Huber.
Projektbericht zu einer "semivirtuellen Vorlesung" im Bereich der Medienpädagogik in einem Blended-learning-Sznenario aus Präsenzterminen, CD-Rom und BSCW. Die Frage nach dem "didaktischen Mehrwert" wird explizit diskutiert.