Was ist kooperatives Lernen?Kooperatives Lernen bezeichnet die Organisation und Anleitung von Lernprozessen, die ihren spezifischen Mehrwert aus der Zusammenarbeit mit anderen Lernenden zieht.
Kooperatives Lernen stellt sich nicht von alleine einfach dadurch ein, dass sich Menschen zu Gruppen zusammenfinden, sondern beruht auf
bestimmten Grundannahmen zur Organisation des gemeinsamen Lernens und zur diesbezüglichen Übernahme von Verantwortung durch die Lernenden.
Das wesentliche Merkmal kooperativen Lernens ist die intensive Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand über den kommunikativen
Austausch mit den anderen Lernenden.
Durch die Beobachtung, die Diskussion und das Nachdenken über die unterschiedlichen Standpunkte, Lösungswege und Strategien der anderen
Lernenden und den Vergleich mit den eigenen Ansätzen werden nicht nur kommunikative, sondern auch kognitive Lernprozesse unterstützt.
Der
Abgleich mit dem Verständnis der anderen Gruppenmitglieder regt dazu an, sowohl eigene Lernwege als auch Gelerntes zu überdenken und zu
neuen Erkenntnissen zu kommen. Die Initiierung und Unterstützung kooperativen Lernens erfordert eine
sorgfältige didaktische Gestaltung durch den Lehrenden, die mit einer Rollenveränderung und -verschiebung einhergeht.
Im Handbuch eLearning werden die Grundannahmen zum kooperativen Lernen
folgendermaßen formuliert:
"Kooperatives Lernen bezeichnet eine Interaktionsform, bei der die
Mitglieder einer Gruppe gemeinsam und in wechselseitigem Austausch
Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben. Dabei sind alle Gruppenmitglieder
gleich berechtigt am Lerngeschehen beteiligt und tragen gemeinsam
Verantwortung für den Lernprozess und das Lernergebnis." (Handbuch
eLearning - kooperatives Lernen)
Um einen Mehrwert kooperativen Lernens für die Lernprozesse der
Studierenden in Online-Umgebungen zu erzielen, Kenntnisse und
Kompetenzen in folgenden Bereichen notwendig:
- Teamarbeit, Gruppendynamik
- Besonderheiten der Online-Kommunikation
- Methoden der Kommunikationsgestaltung
- Didaktische Methoden, die kooperative Lernformen unterstützen
Kooperative Aufgabenstellungen
Wesentlich für die didaktische Gestaltung kooperativer Lernprozesse
sind Aufgabenstellungen, - die offen sind
- die unterschiedliche Blickwinkel berücksichtigen können
- die Ansatzpunkte zur Diskussion geben
- die sich in verschiedene Aspekte strukturieren lassen
Vorerfahrungen der Lernenden
Ebenso hängt das Gelingen kooperativer Lernprozesse von den Erfahrungen
der Lernenden mit kooperativem Lernen ab, bzw. von der Vermittlung der
benötigten Kenntnisse. Werden die gruppendynamischen Prozesse nicht
unterstützt und die Lernenden in Teamarbeit eingewiesen oder ist die
Aufgabenstellung ungeeignet, dann kommt es schnell dazu, dass die
Interessierten in der Gruppe die Arbeit machen und die anderen als "Trittbrettfahrer" davon profitieren. (vgl.: Gruppenprozesse )
Veränderte Rolle der / des Lehrenden
Mit dem Unterstützen kooperativer Lernprozesse geht eine veränderte
Rolle des Lehrenden einher. Der "Input" erfolgt in Anleitungen für die
eigentätige Erarbeitung und dem Bereitstellen des entsprechenden
Materials. Das Aneignen von Wissen kann besonders gut in asynchrone
Kleingruppenarbeit oder in Selbstlernphasen erfolgen.
Die Plenumssitzungen, ob virtuell oder präsent, stehen dann für die
kooperativen Prozesse des Berichtens, Diskutierens und Austauschens des
Gelernten zur Verfügung.
(vgl.:
pädagogisches Verhältnis
)
Prüfung / Bewertung von kooperativen Lernergebnissen
Wesentlich für die Motivation für kooperative Aufgaben ist die
Gestaltung der Benotung oder Bewertung der Ergebnisse. Das Einnehmen
multipler Standpunke oder andere Aspekte, die individuell verschieden
erarbeitet werden können, müssen Bestandteil der Bewertung sein.
Eine Integration der Bewertung von Teamarbeitsaspekten wie Organisation
der Gruppe, Dokumentation von gemeinsamen Ergebnissen und anderen
Aspekten in die Gesamtbewertung ist vor allem bei Projektarbeiten ein
wesentlicher Faktor für die Motivation der Lernenden (vgl. Tests und Prüfungen).
Literatur:Hohenstein, A.; Wilbers, K., Hrsg. (2004): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis (Loseblattsammlung 4.1). Neuwied: Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst.
kurze, brauchbare Artikel bekannter eLearning-Experten (vgl. Handbuch Hochschullehre...)
Merkt, M. (2005). Die Gestaltung kooperativen Lernens in akademischen Online-Seminaren. Empirische Untersuchung zur didaktischen Weiterbildung von Lehrenden. (Im Druck).
Neben der theoretischen Begründung kooperativen Lernens in Online-Umgebungen im akademischen Kontext beinhaltet die Dissertation eine umfangreiche Dokumentation durchgeführter Lehrbeispiele von Hochschullehrenden aus unterschiedlichen Disziplinen.
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