Besonderheiten der Online-KommunikationUm unterschiedliche mediale Dienste für unterschiedliche Kommunikationssituationen adäquat handhaben zu können, müssen die Lehrenden und Lernenden die Besonderheiten computer-vermittelter Kommunikation kennen lernen und ausprobieren.
Methoden und Techniken aus Kommunikationstrainings und Moderation können helfen, die Kommunikationssituationen zu strukturieren und zu gestalten.
Didaktische Methoden zur Gruppenwahrnehmung und zur Förderung kreativer Prozesse können in virtuellen Lehr- und Lernphasen eingesetzt werden.
Die computer-vermittelte Kommunikation in Lernplattformen weist eine
Reihe von Besonderheiten auf, die von den Teilnehmenden zunächst als
Reduzierung wahrgenommen wird und bei ungeübten Nutzern eine Reihe von
Problemen aufwirft, die sich in Frustrationserleben oder in Störungen
auf der psycho-sozialen Ebene äußern. Diese Störungen können zu einer
erheblichen Beeinträchtigung der Lernprozesse in virtuellen Lehr- und
Lernphasen führen.
Ebenso ist der Schulungs- und Koordinationsaufwand im Hinblick auf den
Umgang mit Technik zu Beginn einer Lehrveranstaltung mit virtuellen
Phasen beträchtlich, wenn die Lernenden mit der Technik noch nicht
vertraut sind. Entsprechend muss die inhaltliche Arbeit an der
Problemstellung zunächst in den Hintergrund treten. Mit zunehmender
Dauer und Kompetenz lässt dieser Belastungsfaktor jedoch nach.
Die Kommunikation in den verschiedenen medialen Diensten wie z.B. dem
Chat- oder dem Newsgroup-Dienst weisen unterschiedliche Merkmale auf,
die sich in unterschiedlichen Kommunikationspraxen oder -stilen
niederschlagen.
Für Lehr- und Lernphasen, die über computer-vermittelte Kommunikation
stattfinden, bedeutet das, dass sowohl die Lehrenden als auch die
Lernenden die Besonderheiten unterschiedlicher Kommunikationsdienste
kennen lernen müssen, um sie adäquat und situationsangemessen handhaben
zu können.
Spezifische Merkmale der einzelnen Kommunikationsdienste können in
bestimmten Lernsituationen bei kompetenter Nutzung auch einen Mehrwert
für die Lernprozesse darstellen.
Methoden und Techniken, die aus Kommunikationstrainings und
moderatorischen Situationen stammen, können helfen, die
Kommunikationssituation für alle Teilnehmenden nutzbringend zu
strukturieren und zu gestalten.
Ebenso gibt es eine Reihe von didaktischen Methoden, z.B. zur
Gruppenwahrnehmung oder zur Förderung von kreativem Denken in
Gruppensituationen, die erfolgreich an Online-Lehrsituationen adaptiert
wurden und in unterschiedlichen Seminarphasen zur Unterstützung der
Lernprozesse eingesetzt werden können.
Literatur:Döring, N. (2003). Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hofgrefe. 2. Aufl.
In diesem Buch wird das Wechselspiel von Sozialem und Technik bei der Nutzung des Internet in Hinblick auf den Aufbau der Identität, die Etablierung sozialer Beziehungen und der Entwicklung von Gruppen auf sozialpsychologischem Hintergrund dargestellt. Ein einleitendes medienökonomisches Rahmenmodell erweitert theoretisch das allgemein verbreitete Kommunikationsmodell der Kanalreduzierung.
Langmaack & Braune-Krickau (2000). Wie die Gruppe laufen lernt. Beltz: Weinheim.
Von erfahrenen Weiterbildnern auf lern- und kommunikationstheoretischem Hintergrund geschriebener Praxisleitfaden
Runkehl, J. et al. (1998). Sprache und Kommunikation im Internet. Überblick und Analysen. Westdeutscher Verlag: Opladen.
Das Autorenteam hat die unterschiedlichen Sprachpraxen und -stile in den unterschiedlichen medialen Diensten (Chat, Forum, E-Mail) empirisch untersucht und unterscheidende Merkmale beschrieben und damit eine wertvolle Grundlage zum Verständnis der Kommunikationstools und ihrer Einsatzmöglichkeiten in der Hochschullehre geschaffen.
Thimm, C. (2000). Soziales im Netz. Sprache, Beziehungen und Kommunikationskulturen im Internet. Westdeutscher Verlag: Opladen.
In diesem Sammelband mit Aufsätzen unterschiedlicher Disziplinherkunft (Linguistik, Soziologie, Psychologie) steht die Frage im Mittelpunkt, in welcher Form personale und soziale Identität sowie zwischenmenschliche Beziehungen mittels digitaler Kommunikation dargestellt werden. Es bietet theoretische Erklärungsansätze auf empirischer Basis für das Verständnis der Kommunikation online und damit als Voraussetzung, online zu lehren und zu lernen.
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