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Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn

"Mit Themenzentrierter Interaktion (TZI) wird ein Gruppenkonzept bezeichnet, das auf aktives, schöpferisches und entdeckendes Lernen - "Lebendiges Lernen" - und Arbeiten ausgerichtet ist. TZI ist aus den Erfahrungen und Erkenntnissen der Psychoanalysee unter dem Einfluss der Gruppentherapien und des Experientalismus entstanden. Sie wurde von Ruth C. Cohn initiiert und in den Workshop Institutes for living - Learning (WILL) von ihr und ihren KollegInnen in den USA und später Europa weiterentwickelt.

Die themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn wird in der hochschuldidaktischen Praxis im Modellstudiengang „Master of Higher Education“ als Modell zur flexiblen Leitung unterschiedlicher Prozesse in einer akademischen Lehrveranstaltung genutzt.

Das Modell bietet Analyse- und Interventsionsorientierungen zur Wahrnehmung und Leitung der Interaktionsprozesse zwischen

  • den beteiligten Personen („ICH“),
  • der Entwicklung ihres persönlichen Bezugs zum Thema („ES“),
  • der Entwicklung der Gruppe („WIR“) und
  • der Einbettung der beteiligten Personen in einen größeren Kontext („GLOBE“) 
unter der besonderen Berücksichtigung der Rolle und der Funktionen des Leitenden.

Das Ziel der Methode ist es, eine Balance dieser psychosozialen Prozesse als Orientierungsgrundlage für den ganzheitlichen (emotionalen und inhaltlichen) Zugang und das kooperative Arbeiten einer Gruppe an inhaltsbezogenen Themen zu ermöglichen.

Unter diesem Aspekt ist die Methode besonders geeignet, Handlungsleitungen für Lehrende auf dem Hintergrund der theoretischen Konzeption des kooperativen Lernens anzubieten.

Die Einbindung der lebensweltlichen Bezüge der Teilnehmenden und die Entwicklung ihrer individuellen Lernbegründungen auf das gesellschaftlich relevante, außenweltliche Unterrichtsthema hin in Interaktion mit den anderen Lernenden und dem Lehrenden erfordert eine Balance der genannten Prozesse, die auf das Modell der Themenzentrierten Interaktion sinnvoll zurückgreifen kann.

Das zunächst einfach erscheinende Strukturmodell der interaktionellen Balance zwischen den Aspekten des Themas („ES“), der beteiligten Personen („ICH“), der Gruppe („WIR“) und dem historischen und situativen Kontext („GLOBE“) wird von ethisch orientierten Axiomen und Postulaten ergänzt, die sich erst in der modellhaften Anwendung durch einen erfahrenen TZI-Leitenden erschließen.

Schütz weist in einer Einordnung der Methode zu Recht darauf hin, dass sich die Themenzentrierte Interaktion im Schnittfeld von Gruppendynamik, Gruppenpädagogik und Gruppenpsychotherapie auf dem Hintergrund theoretischer und angewandter Sozialpsychologie, z.B. der Lewinschen Feldforschung sowie der empirischen, der psychoanalytischen und der humanistisch-psychologischen Forschung entwickelt hat und von erfahrenen Analytikern und Psychotherapeuten in den Vereinigten Staaten und Europa verbreitet wurde (vgl. SCHÜTZ, K., 1987, S. 22).

Auch wenn Elemente der TZI sinnvoll in der hochschuldidaktischen Weiterbildung Verwendung finden können, ist die Methode nicht als einfach zu erlernende Unterrichtsmethodik zu verstehen.

Durch unterschiedliche persönliche Arbeitskontakte von Lehrenden und (ehemaligen) Mitarbeitern des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg mit Ruth Cohn ist Expertenwissen in den Studiengang „Master of Higher Education“ und in die durchgeführten Online-Seminare eingeflossen, das nicht als explizites Wissen ausgewiesen werden kann (für Unterrichtsbeispiele aus der Hochschullehre vgl. z.B. PORTELE, G. & HEGER, M., 1995).


Literatur:

Portele, G. & Heger, M. (1995) (Hrsg.): Hochschule und Lebendiges Lernen. Beispiele für Themenzentrierte Interaktion. Weinheim: Deutscher Studienverlag.
Als langjähriger Mitarbeiter am IZHD, Hamburg hat G. Portele die "Themenzentrierte Interaktion" am IZHD in Hamburg in die hochschuldidaktische Weiterbildung integriert und für die Hochschullehre fruchtbar gemacht.
Ruth Cohn Institut für Themenzentrierte Interaktion (2005): Was ist Themenzentrierte Interaktion (TZI)?
Eine kurze Beschreibung zum Hintergrund und Inhalt der Methode, sowie Weiterbildungsangebote.