Didaktische Methoden zur Unterstützung der KommunikationViele didaktische Methoden, die aus der Präsenzlehre oder der Weiterbildung stammen, können gut in Chatsessions und Foren durchgeführt und im Rahmen von Online-Seminaren oder Seminaren des Blended Learning genutzt werden.
Im folgenden werden einige Methoden vorgestellt, die im Rahmen von Online-Seminaren des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg eingesetzt wurden. Sie werden jeweils kurz beschrieben und ihre Einsatzmöglichkeiten dargestellt. Brainstorming Ein Brainstorming hat das Ziel, kreative Prozesse in einer Gruppe zu fördern. Die Methode ist gut geeignet, den Studierenden einen ersten Einstieg in ein neues Thema zu erleichtern oder sie zu kreativen Ideen für ein Projekt zu motivieren. Sie können ihr Vorwissen und ihre Assoziationen oder kreative Ideen und Gedanken erst mal sammeln, ohne darauf achten zu müssen, was davon relevant oder machbar ist. Deshalb ist es sehr wichtig, in der Brainstorming-Phase die Beiträge noch nicht zu bewerten oder zu gewichten. Die Einordnung und Weiterverarbeitung erfolgt erst in einer darauf folgenden Phase. Ein Brainstorming kann gut in einer Chatsession durchgeführt werden, da dann die Beiträge automatisch mitprotokolliert werden. Anschließend können die genanten Stichpunkte zum Beispiel als einzelne Beiträge in ein Forum übertragen werden und in einer anschließenden asychronen Phase weiterbearbeitet werden.
Brainstorming
In TeamWave besteht die Möglichkeit, PostIt-Zettel auf einem Whiteboard zu benutzen. Ähnlich wie bei der Moderationsmethode kann jeder Teilnehmende jede Idee auf einen neuen PostIt-Zettel schreiben. Über der zusätzlichen Chat-Kanal können die Ideen-PostIts anschließend gemeinsam sortiert und mit Überschriften versehen werden. Der folgende Screenshot ist ein Beispiel für ein Brainstorming zur Vorbereitung eines Workshops für Betriebsräte. Die PostIt-Zettel wurden mit dem Freihand-Stift-Tool farbig eingekreist und die Überschriften ("Erfahrungen", "Rollenklärung") direkt auf dem Whiteboard notiert.
Ideenmarktplatz Sollen die Studierenden in Kleingruppen eigene kleine Studienprojekte durchführen, dann ist der Ideenmarktplatz eine gute Möglichkeit Bildung von Arbeitsgruppen entlang Themenentwicklung. Die Methode kann in einem Forum durchgeführt werden. Jede/r Teilnehmende stellt eigene Ideen in einem eigenen Forumsbeitrag vor. Als Antwortbeitrag im Forum kommentieren die anderen Studierenden die Ideen, die sie interessant finden und fügen weitere Gedanken dazu an. Themen, die für andere Studierende interessant sind, ergeben längere "Ideenstränge". Diese können dann als Grundlage für das Thema eines Studienprojekts dienen.
Ideenmarktplatz
Um die Themenfindung für Projekt- oder Arbeitsgruppen zu unterstützen, eignet sich der Ideenmarktplatz. Jeder Teilnehmende stellt ihre/seine Ideen auf einen PostIt-Zettel in dem "Marktplatz" ein. Die anderen Teilnehmenden können diesen kommentieren oder auch sich gleich den Themen zuordnen, indem sie sich namentlich eintragen.
Pro-/Kontradiskussion Die Pro-/Kontradiskussion dient dazu, wesentliche Aspekte eines Themas herauszuarbeiten. Eine Pro-Kontradiskussion kann gut in einer Chatsequenz durchgeführt werden. Zu einem vorbereiteten Thema werden die Studierenden zu Beginn der Chatsession gefragt, ob sie die Pro- oder die Kontraposition in der Diskussion einnehmen wollen. Durch diese Einteilung ergeben sich lebhafte Diskussionen. Die Studierenden müssen gute Argumente finden und ihre Argumente gut verteidigen, da sie vom der gegnerischen Gruppe infrage gestellt werden.
Auch hier besteht die Möglichkeit, die Pro- und Kontraargumente in ein Forum zu übertragen und dort, vielleicht unter einer veränderten Fragestellung, weiterbearbeiten zu lassen. Beispielsweise wurde mit Hochschullehrenden eine Pro-/Kontradiskussion zum Thema "Sinn und Unsinn von E-Learning" durchgeführt.
Kooperatives Lerntagebuch Lerntagebücher haben das Ziel, Reflexionsprozesse über das inhaltlich Gelernte anzuregen und dadurch den individuellen Lernprozess der Studierenden zu unterstützen.
Werden die Lerntagebücher als kooperatives Lerntagebuch geführt, dann ergeben sich darüber hinaus Austauschprozesse in der Seminargruppe über die individuellen Lernprozesse. Es stellt sich eventuell heraus, das mehrere Teilnehmende ähnliche Fragen an oder Probleme mit einem Thema oder einzelnen Aspekten, z.B. eines theoretischen Themas haben.
Eine wichtige Voraussetzung zur Beteiligung der Studierenden ist, dass das kooperative Lerntagebuch und auch die darin diskutierten Inhalte in keiner Weise in einen Leistungsnachweis eingehen. Dieser sollte deutlich davon getrennt durchgeführt werden.
Ein kooperatives Lerntagebuch kann gut in einem dafür eingerichteten Forum, begleitend zu einer Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Beispielsweise erhalten die Studierenden die Aufgabe, nach einer Präsenzsitung zu theoretischen Inhalten folgende drei Fragen zu beantworten
: Was habe ich mitgenommen? Was ist mir unklar geblieben? Was hat mich zu weiterem Nachdenken angeregt?
Ebenfalls wichtig für das Gelingen eines kooperativen Lerntagebuchs ist, dass der Lehrende die unklar gebliebenen Aspekte registriert und in der folgenden Präsenzsitzung darauf reagiert, z.B. durch Bearbeitungshinweise oder das Aufgreifen in anderen Zusammenhängen (Siehe auch: Nückels, M. & Rambow, R. (2002)).
Kooperative Zuordnungsübung Die kooperative Zuordnungsübung ist eine Methode, den Studierenden die aktive Erarbeitung systematischen Wissens zu ermöglichen.
Die Studierenden erhalten einen Input z.B. in Form von wissenschaftlichen oder systematischen Begriffen, die sie auf ein konkretes Beispiel anwenden sollen. Die Diskussion der Zuordnung in Kleingruppen unterstützt den Verstehensprozess. Zum Beispiel können Begriffe des wissenschaftlichen Arbeitens (wie Prämisse, Hypothese, Argument, Schlussfolgerung) zur Verfügung gestellt und die Anwendung auf ein wissenschaftliches und ein nichtwissenschaftliches Textbeispiel zur Aufgabe gemacht werden. Steht eine Lernplattform zur Verfügung, die die gleichzeitige Nutzung des Chatkanals und eines Whiteboards unterstützt, dann kann die Übung sehr gut synchron in Kleingruppen durchgeführt werden.
Zuordnung
Durch die gemeinsame Bearbeitung einer Zuordnungsaufgabe diskutieren die Teilnehmenden Ähnlichkeiten und Unterschiede ihrer individuellen Lösungsideen. Über die Vorgaben, die in der Zuordnungsübung enthalten sind (hier Seminarphasen und unterschiedliche Tools), erhalten die Teilnehmenden gleichzeitig einen inhaltlichen Input.
In dem konkreten Beispiel war die Aufgabe, den in den weißen, ovalen Seminarphasen unterschiedliche Tools (z.B. Chat, Forum, Whiteboard) zuzuordnen. Den Teilnehmenden wurde erst in der Übung bewußt, dass es unterschiedliche Seminarphasen gibt und dass bestimmte Tools besser oder schlechter für einzelne Seminarphasen geeignet sein können.
Rollenspiel Im Rollenspiel erleben die Teilnehmenden die Handlungsaspekte einer Rolle oder einer Situation in einem sozialem Kontext. Die theoretische Perspektive auf ein Thema wird dadurch auf der Handlungsebene erweitert, wesentliche Aspekte einer Situation oder eines Rollenerlebens können wahrgenommen und anschließend bearbeitet und reflektiert werden.
Ein Rollenspiel kann gut in einer Chatsession durchgeführt werden. Das automatische Protokoll kann anschließend auf spezielle Aspekte hin analysiert werden. Im Rahmen der didaktischen Workshops mit MitarbeiterInnen aus E-Learning-Projekten im Projekt E-Didakt wurde in einer Chatsession ein Rollenspiel durchgeführt, in dem in einer Fachbereichratssitzung die Genehmigung von TutorInnen-Geldern zur Verstetigung eines E-Learningprojektes diskutiert wurde.
Kommunikation/Rollenspiel
Durch ein Rollenspiel erhalten die Teilnehmenden eine kommunikative Erfahrung, die eine wichtige Grundlage für eine anschließende Reflexion und Bearbeitung der Rollen ist. Im Rollenspiel erleben sie die Handlungsmöglichkeiten und Zwänge, die in der definierten Rolle liegen. Dafür lässt sich der Chat gut verwenden. Wenn der Chattext nach dem Rollenspiel gesichert und allen Teilnehmenden als Textdatei zur Verfügung gestellt wird, kann er als Grundlage für eine Reflexion und Weiterbearbeitung verwendet werden.
Im Rahmen der Workshops, die im Projekt E-Didakt 2004 durchgeführt wurden, wurde ein Rollenspiel im Chat durchgeführt, das mit folgendem per E-Mail vorweg versendeten Anleitungstext vorbereitet wurde.
Zukunftsreise Die Zukunftsreise ist eine kreative Übung, die den Teilnehmenden die Möglichkeit geben soll, eine positive Vorstellung von einer Situation oder einem Projekt zu ermöglichen, ohne dass sie sich durch die Gegebenheiten der Realität einschränken lassen müssen. Sie hilft zu erkennen, was den Teilnehmenden an der Situation oder dem Projekt wirklich wichtig ist und kann dadurch neue Wege für die Gestaltung eines Projekts eröffnen. Die Methode kann gut in einer Chatsession durchgeführt werden. Im Rahmen der E-Didaktworkshops wurde zum Beispiel eine Zukunftsreise durchgeführt zu folgender Frage: "Stellen Sie sich vor, Sie sind im Jahr 2050. Technisch ist alles realisierbar, was Sie sich im E-Learning erträumen. Wie sähe Ihre Online-Lehrveranstaltung aus?"
Literatur:Häfele, H. &Maier-Häfele, K. (2004): 101 e-Learning Seminarmethoden. Methoden und Strategien für die Online- und Blended Learning Seminarpraxis. Bonn: managerSeminare Verlags GmbH.
Vorstellung von Kommunikationstools und deren Mehrwertpotenzial für eLearning. Im zweiten Teil Kurzdarstellungen von Seminarmethoden entlang eines Phasenmodells. Jede Methode wird in ein Raster von Kurzbeschreibung, Ziele, Werkzeuge, Wann einsetzen?, Gruppengröße, Dauer, Ablauf, Beispiel, Bemerkungen, Erfahrungen eingebettet. Sehr praxisbezogen!
Merkt, M. & Schädlich, B. (2004). „Den Austausch organisieren - Der didaktische Einsatz von online-Elementen in Präsenzseminaren der Hochschullehre am Beispiel der assynchronen Groupware BSCW“. In: Das Hochschulwesen. 52. Jg, 1/2004. Bielefeld: UniversitätsVerlagWebler. S. 30-36
Erfahrungsbericht und beschriebene Lehrbeispiele aus Weiterbildungsseminaren im "blended learning" für Hochschullehrende.
Nückles, M. & Rambow, R. (2002): "Der Einsatz des Lerntagebuchs in der Hochschullehre". In: Das Hochschulwesen, 3, 50. Jahrgang, S. 113-120.
Der Aufsatz erklärt das Lerntagebuch in seiner Herkunft und didaktischen Funktion auch im Kontext verschiedener Fächerkulturen. Ein Praxisbeispiel beschreibt die Arbeit mit Lerntagebüchern in der asynchronen Groupware BSCW.
Reich, K. (Hg.) (2005): Methodenpool.
Eine Schatztruhe für Methoden, Techniken und Übungen in der allgemeinen Didaktik, verfasst von vielen verschiedenen Autoren. Theoretischer Bezugspunkt ist der Konstruktivismus.
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