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Alltagsfeedback

Die Bedeutung von Feedback im Alltagsleben

„Ihre Meinung ist uns wichtig!“ Das ist der typische Aufmacher für Feedbackseiten im Internet. Die Nutzer sollen ihre Ansichten abgeben zu den von ihnen besuchten Webseiten. Was genau die Nutzer in das Formular schreiben, ist gänzlich ihnen überlassen. Lob oder Verteufelung, sachlich fundierte Kritik oder unbotmäßige Beschuldigungen - nahezu alles kann gesagt werden, zumindest wenn es juristisch zulässig ist. Detaillierte Regelungen, genaue Empfehlungen zu Inhalt und Form des Feedbacks sind überflüssig, so lange es keinen persönlichen Kontakt zwischen Feedbackgeber und Feedbackempfänger gibt und keine gemeinsamen Lern- und Arbeitsziele existieren. Das Feedback bleibt ohne persönliche Konsequenzen, für die Feedbackgeber wie für die Feedbackempfänger. Letztere sind zumeist gar keine Einzelpersonen. Das Feedback im Internet-Shop richtet sich an eine Firma. Die Kunden, die Feedbackgeber, geben ihre ganz persönliche Meinung zu der firmeneigenen Webseite oder den dort angebotenen oder gekauften Produkten ab. Mögliche Feedbackempfänger sind zudem für den Geber nicht als Personen erkennbar. Webmaster, Geschäftsführer, Programmierer, Produktdesigner, Marketingchef – jeder kann durch das elektronische Feedback angesprochen sein.

Feedback gibt es natürlich nicht allein im Internet. Im täglichen Leben wünschen sich Menschen und Institutionen immer wieder Rückmeldungen von anderen. Z.B. sind Zeitungen offen für Rückmeldungen ihrer Leser, Kulturveranstalter bekommen Rückmeldungen ihrer Besucher. Detaillierte Regeln werden beim Alltagsfeedback nicht definiert. Die Forderung, dass Feedback bestimmte Regeln zu befolgen habe, gründet auf der Besonderheit von Kooperationen in Arbeits- und Lernsituationen, die sich von Kaufsituationen, und überhaupt von informellen Alltagssituationen, unterscheiden. Lerner wollen (oder sollen, denn sie agieren oft fremd bestimmt) definierte Lernziele erreichen. Das Feedback steht im Dienste dieser Lernziele. Es hat deshalb die didaktische Funktion, die Lernenden zu diesen Zielen zu führen.

Zudem sind Lernsituationen oft durch kontinuierliche Interaktionen zwischen Menschen kennzeichnet - in Form von Seminaren, Schulklassen oder Arbeitsgruppen. Lernende kooperieren in Lerngruppen untereinander und sie interagieren mit Lehrenden. Der Feedbackgeber bezieht sich also auf Personen, auf Kooperationspartner, mit denen er weiterhin zusammenarbeiten wird. Er sollte Rücksicht nehmen auf die Befindlichkeiten dieser Personen, wenn er seine Meinung kundtut. Er muss die Auswirkungen seines Feedbacks auf die zukünftige Kooperation mit dem Feedbackempfänger bedenken. Das Feedback sollte deshalb für alle Beteiligten keine negativen Konsequenzen haben, die womöglich den Erfolg der Kooperation gefährden.

Aber auch in Situationen des Alleinseins kommt es zu Feedback. Individuelle Lernprozesse gehen oft allein vonstatten. Wenn jemand ein Lehrbuch oder ein Computerprogramm durcharbeitet, sind für einen erfolgreichen Lernprozess Rückkoppelungen notwendig. Übungsaufgaben in Büchern und Computerprogrammen werden deshalb von den Autoren häufig gezielt als Feedbackgelegenheiten konzipiert (siehe: Feedback im Lernprogramm).

Das individuelle Lernen überhaupt und sogar der gesamte Entwicklungsprozess des Individuums kann als permanenter Feedbackprozess begriffen werden. So hat jedenfalls Jean Piaget den Lern-, Erkenntnis-, und Entwicklungsprozess beschrieben. Jeder Lebensprozess ist ein Wechselspiel von Anpassung an die äußere Welt und Integration der äußeren Welt in das Innere des Individuums. Akkommodation und Assimilation lauten die dazu von Piaget geprägten Begriffe. Piaget zufolge wertet jeder Lerner die Resultate seines Handelns für sich aus und gibt sich selbst eine Rückmeldung, ein internes Feedback. Dieses Selbstfeedback hat unbewusste und bewusste Anteile, die senso-motorischen und die kognitiven Prozesse.




Lernen als Rückkoppelung - Jean Piagets Konzept

Der österreichische Psychologe Werner Stangl betreibt eine umfangreiche Webseite zu psychologischen und pädagogischen Themen. Am Beispiel des Lernens von neuen Begriffen veranschaulicht er Piagets Modell des selbst gesteuerten Lernens mit Rückkoppelung.



Die bewussten kognitiven Anteile können mit der Methode des Lauten Denkens verbalisiert werden. Z.B. untersucht man individuelle Feedbackprozesse beim Erlernen neuer Software mit dieser Methode (siehe: Usability-Tests).