EvaluationsdurchführungDie typischen Schritte einer Evaluationsstudie - Von der Fragestellung bis zur Auswertung der Daten
Typischerweise beginnt die Evaluation mit einer Formulierung eines Evaluationskonzepts bzw. eines Evaluationsdesigns. Darin werden zunächst die Evaluationsziele und Hauptfragestellungen festgelegt. Hierbei ist eine Grundsatzentscheidung über die Evaluationsstrategie zu fällen. Unterscheiden kann man eine eher qualitativ-entdeckende Evaluationsstrategie von einer eher quantitativ-messenden. In der Praxis kommen beide Strategien oft als Mischform vor, um sich der Vorteile beider zu versichern.
Die qualitative Strategie ermöglicht den Evaluatoren, neue, überraschende Aspekte zu entdecken, die bei der Bewertung des Lernszenarios durch die Beteiligten eine entscheidende Rolle spielen, obwohl die Evaluatoren vorher diese Gesichtspunkte gar nicht im Blickfeld hatten. Die quantitative Strategie liefert Zahlen, z.B. Unterschiede zwischen verschiedenen Personen oder Nutzergruppen hinsichtlich ihres Lernerfolgs oder in der Zufriedenheit mit einer eLearning-Maßnahme. Die Qualität von eLearning-Settings wird dadurch numerisch exakter bestimmt als bei der qualitativen Strategie, die mit offenen Fragen im Fragebogen operiert. Die qualitativ-entdeckende Strategie arbeitet in erster Linie mit den qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung bzw. Evaluationsforschung (Kardorff 2000). In der eLearning-Evaluation steckt sie, was die Verbreitung angeht, noch in den Kinderschuhen. Bei der Durchführung einer qualitativen Evaluation wird ein Fragebogen mit offenen Fragen entwickelt. Der Befragte antwortet mit einem selbst formulierten Text. Beispiele für offene Fragen sind: Warum haben Sie an diesem Seminar teilgenommen? Was hat Ihnen an diesem Seminar gefallen? Was hat Sie an der Bedienung der Software gestört?
(frabo.psd)
Bei einer quantitativ-messenden Strategie geht es darum, exakt formulierte Hypothesen zu überprüfen und genau definierte Vergleiche zwischen verschiedenen Lehr-Lernszenarios oder zwischen Software oder Lerngruppen durchzuführen. Dazu müssen Variablen, deren Ausprägungen verglichen werden sollen, definiert und operationalisiert werden. Die Variablen sind die Bestandteile des Evaluationsfragebogens. Dieser enthält geschlossene Fragen mit vorgegeben Antworten zum Markieren. Zu wählen ist bei den Antworten mindestens zwischen zwei Alternativen (ja - nein, trifft zu - trifft nicht zu), oder es gibt eine Skala mit einem negativen und einem positiven Pol (z.B. –3, -2, -1, 0, +1, +2, +3), auf der die Befragten den Grad ihrer Zustimmung oder Ablehnung zu einer Aussage ausdrücken. Die Items des Fragebogens sollten in einer Vorstudie auf ihre Brauchbarkeit getestet werden. Die statistisch optimalen Items gelangen in die endgültige Fassung des Fragebogens.
Die nächsten Schritte sind die Datenerhebungen mit den so entwickelten Fragebögen an Nutzern, Lehrern und anderen Beteiligten, z.B. mit den IT-Experten einer Organisation. Außerdem werden Usability-Tests mit den Anwendern durchgeführt. Die verschiedenen Daten werden dann statistisch ausgewertet. Details der Fragebogenkonstruktion, Datenerhebung und Auswertung sind jedem Lehrbuch zur Evaluation zu entnehmen (z.B. Bortz & Döring 2001 oder Stockmann 2000).
Fragebogen Evaluation
Diese Übung gibt Ihnen die Gelegenheit, sich einmal selbst in der Entwicklung eines Evaluationsfragebogens zu versuchen. Anschließend können Sie Ihre Ideen mit einem Evaluationsfragebogen aus einem Multimediaprojekt vergleichen.
Die Evaluation selbst ist ein Prozess mit Phasen der Datenerhebung und Auswertung (LINK zu Evaluationsformen). Nach der Festlegung des Evaluationsdesigns und der Konstruktion des Fragebogens müssen noch Details zur Datenerhebung festgelegt werden. Wichtig ist, genaue Entscheidungen zum Zeitpunkt der Datenerhebung und möglicher Zwischenberichte zu treffen sowie die befragten Gruppen (Nutzer, Lehrende, IT-Experten) festzulegen. Grundsätzlich bietet sich bei eLearning-Maßnahmen eine Online-Evaluation an. Es spart Arbeit, wenn die eingegebenen Daten direkt in eine Datenbank eingegeben werden, die dann von einem Statistikprogramm gelesen werden kann (siehe: Online-Evaluation). Es folgt die Auswertung der Daten und das Schreiben eines Evaluationsberichtes, der dann den Beteiligten zur Verfügung gestellt wird. Nach der Präsentation eines Zwischen- oder Endberichts kommt es oft zu der Entscheidung, weitere Evaluationen durchzuführen. Das folgende Schaubild zeigt den typischen zirkulären Evaluationsverlauf in einem Multimedia-Projekt (in Anlehnung an Henninger 2001):

Literatur:Bortz, J., Döring, N. (2001): Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. 3., überarbeitete Auflage, Berlin: Springer.
Über 800 Seiten zum Nachschlagen, nicht zum Durcharbeiten.
Henninger, M. (2001): Evaluation von multimedialen Lernumgebungen und Konzepten des e-Learning. München: Forschungsberichte der Ludwig-Maximilians-Universität.
Ein kurzer Grundsatzartikel zur Evaluation im e-Learning.
Kardorff, E. von (2000): Qualitative Evaluationsforschung. In: Flick, U., v. Kardorff, E. & Steinke, I. (Hg.): Qualitative Sozialforschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, S. 238-250.
Dieses Kapitel des Handbuchs gibt einen guten Überblick über die oft verkannten Möglichkeiten einer qualitativen Evaluationsstrategie.
Stockmann, R. (Hg.) (2000). Evaluationsforschung. Grundlagen und ausgewählte Forschungsfelder. Opladen. Leske und Budrich.
Enthält die klassischen statistischen Evaluationsmethoden in kompakter und übersichtlicher Form.
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