Sequenzierung der InhalteDie Reihenfolge, in der Inhalte an Lernende vermittelt werden, stellt in der konventionellen wie auch in der elektronischen Lehre einen der wichtigsten Aspekte dar.
Fragen stellen, Aufgaben erteilen und Medien nutzen ist nicht alles,
was man tun kann, um einem Lernprogramm aus didaktischer Sicht zum
erfolg zu verhelfen. Ein Lernprogramm besteht in der Regel aus mehreren
Kapitel, Abschnitten und Seiten. Wie diese aufeinander folgen, das
ergibt einen Sinn oder auch nicht, es ist eine wichtige Voraussetzung
für an am Lernprozess orientierte Repräsentation der Inhalte. Die
Abfolge der Inhalte kann helfen, die Motivation zu fördern, die
Lernvoraussetzungen auszugleichen, Definitionen einzuführen, eine
Lernprozess einleiten und strukturieren, Problembewusstsein zu erzeugen
und Perspektiven aufzureißen etc. Eine solche Sequenzierung bedarf
verständlicherweise einiger Überlegung.
Konzepte für die Abfolge der Inhalte werden durch folgende Überlegungen gestützt:
- Es mag notwendig sein, die Studierenden eingangs mit Überlegungen zum
Sinn des Tuns zu konfrontieren, die Sinnhaftigkeit der Auswahl der
nachfolgenden Inhalte zu begründen. Ein derartiges Diskurselement als
Einleitung kann die Motivation der Studierenden ansprechen und ihr
Engagement beim Lernen stützen.
- In einigen Fällen wird die Motivation durch innerwissenschaftliche
Begründungen erreicht, in anderen Fällen mag es sinnvoll sein, den
Praxisbezug zu erläutern, um die Studierenden für ein Stück Theorie zu
erwärmen. Dies kann in einigen Fällen über die Erläuterung der
Lernziele erreicht werden, die eine Art Orientierung im Wissensraum
gewährleisten.
- Eine besondere Problematik ergibt sich, wenn der Lernprozess am
Beginn einer neuen Sequenz steht, aus der Frage, mit welchen
Lernvoraussetzungen ich als Autor rechnen kann. Woran kann ich
anknüpfen? Welche Besonderheiten auf Seiten der Lernenden muss ich
berücksichtigen? Dabei spielt häufig eine Rolle, dass ich es nicht mit
einer homogenen Gruppe von Lernenden zu tun habe, sondern dass die
Studierenden unterschiedliche Erfahrungen, Neigungen und verschiedenes
Lernverhalten mitbringen.
- Diese Diversität muss ich in irgendeiner Weise berücksichtigen und
ansprechen. Das kann auch dadurch geschehen, dass ich einen Teil des
Inhalts redundant mit verschiedenen Mitteln darstelle, z.B. durch
Visualisierung oder grafische Veranschaulichung.
- Erst dann mag ein größerer Teil der Inhalte kommen, beispielsweise in
der noch klassisch anmutenden Reihenfolge Definition, Anwendung, Übung
oder aber in der für das Entdeckende Lernen besser geeigneten Sequenz:
Rätsel, Hinweise, Lösungsprozess, Rückmeldung, Interpretation der
Ergebnisse.
Eine solche Sequenz mag abgerundet werden durch einen Vorausblick auf
das Kapitel („advanced organizer“ nach Ausubel 1963), der eine klare
Orientierung gewährleistet, und durch eine abschließende
Zusammenfassung („coda“), die das Lernergebnis betont. Das daraus sich
ergebende Modell einer Unterrichtssequenz ähnelt dem von Reiser und
Gagné (1983) und Robert M. Gagné (1985) publizierten
Instruktionsmodell, das die Unterrichtssequenz in neun
Unterrichtsschritte unterteilt. Ein solches Modell ist pragmatisch
brauchbar, ohne sich damit auf den Ansatz der Instruktionstheorie oder
Instruktionsmodelle festlegen zu müssen:
- Aufmerksamkeit erlangen und aufrecht erhalten
- Lernende über die Lernziele informieren
- Die Erinnerung an frühere Lernerfahrungen wach rufen
- Das Lernmaterial präsentieren
- Die Lernenden unterstützen
- Die Lernenden das Gelernte anwenden lassen
- Informatives Feedback anbieten
- Den Lernfortschritt evaluieren
- Behalten und Transfer unterstützen
Damit sind wir erstaunlicherweise zurück bei einem der ganz alten
„Väter“ des Instruktionsdesigns gelandet. Aber offensichtlich können
wir immer noch von ihm lernen, jedenfalls wenn es um das Design von
Instruktion geht.
|