Evaluation im eLearningAn welchen Aspekten eines multimedialen Lehr-Lernszenarios sollten Evaluationsstudien grundsätzlich ansetzen?
eLearning ist ein im weitesten Sinne multimediales Lernszenario, das in
verschiedenen Settings realisiert werden kann. Dazu gehören z.B. sowohl
Seminare, in denen Software unterstützend eingesetzt wird, als auch
Lernformen, bei denen die Lernenden ohne Begleitung durch Lehrer oder
Dozenten am Computer ein Lernprogramm allein durcharbeiten (siehe: Typen von Lernszenarien). Die Evaluation im
eLearning ist zumeist Teil einer umfassenden Konzeption zur
Bildungsevaluation. Interessieren allein die
technischen und gestalterischen Aspekte einer Software, d.h. ihre
Funktionalität und Handhabbarkeit, spricht man von Usability-Tests.
Die
Usability-Tests sind oft ein Teil der Evaluation einer Lernsoftware.
Eine echte Evaluation geht aber über Usabilityaspekte hinaus. Erst
dann, wenn Aspekte des gesamten Lernszenarios mit Bezug auf die
Lernvorgänge der Nutzer und auf die Lernthemen und Lernziele eines
Lernszenarios bewertet werden, ist der Begriff „Evaluation im
eLearning“ angebracht. Schlechte Werte in der Usability, in der
Bedienbarkeit der eingesetzten Software, führen häufig zu schlechten
Ergebnissen in der Evaluation, wenn sich in der Evaluation die
Nutzerperspektive niederschlägt.
Alle Aspekte eines
multimedialen Lehr-Lernszenarios können zum Gegenstand der Evaluation
werden: Lernsoftware, Lernumgebung und Lehrszenario, Autoren, Lehrende,
Lerner und schließlich auch die Interaktion zwischen den verschiedenen
Personen und Aspekten. Die folgende Abbildung zeigt zentrale Aspekte
einer Evaluation im eLearning.
 Eine
eLearning-Evaluation sollte den inneren Zusammenhang zwischen diesen
verschiedenen Aspekten eines multimedialen Lehr-Lernszenarios
thematisieren. Eine Verengung allein auf monetäre Aspekte oder
Lernerfolge lässt kein differenziertes Urteil über die Lernpotenziale
eines eLearning-Szenarios zu, da in diesem Fall unterschiedliche
Lernformen und unterschiedliche didaktische Konzepte ohne Bezug auf
unterschiedliche Nutzergruppen analysiert werden.
In vielen
Evaluationen zum eLearning wird nur ein Vergleich zwischen
verschiedenen Lehrszenarien (z.B. Online-Lehre vs. Präsenzlehre) in
Hinsicht auf den Lernerfolg (z.B. Prüfungsnoten) durchgeführt. Auf
diese Weise hofft man, die Höherwertigkeit bestimmter Lehrmethoden
nachzuweisen. Die Ergebnisse fallen aber zumeist negativ aus, da die
Qualität bestimmter Lehrmethoden sich nur in Zusammenhang mit
bestimmten Lerngruppen oder Lerntypen belegen lässt. Anders
ausgedrückt: die Vielfalt der Lernervariablen (Motivation, Lernstil,
Bildungsgrad, Computererfahrung u.a.) wirkt sich nivellierend auf
mögliche Lernerfolgunterschiede zwischen verschiedenen Lehrszenarios
aus. Im statistischen Sinn werden Evaluationsstudien, die global
Lernszenarien in Hinsicht auf Lernleistungen der Teilnehmer
vergleichen, zumeist nicht signifikant. Der amerikanische Pädagoge
Thomas L. Russell hat eine Übersicht über dementsprechend „erfolglose“
Evaluationen im anglo-amerikanischen Bildungsbereich zusammengestellt
(Russell 1999, Webseite (http://www.nosignificantdifference.org).
Mögliche
Fragestellungen einer Evaluation, die sich demgegenüber differenziert
auf Lernformen und didaktische Konzepte beziehen, sind:
- Sind
die didaktischen Leitlinien (der Lehrenden wie der Autoren) im
programmierten Content richtig und ausreichend umgesetzt worden?
- Wurde
die Kommunikation im Forum der Lernumgebung von den Nutzern oder den
Lehrenden als hilfreich für den Lernfortschritt empfunden?
- Führen
die umgesetzten didaktischen Leitlinien zu einem besseren Lernerfolg
bei Lernenden mit einem bestimmten Lernstil oder Motivationstyp im
Vergleich mit Lernenden eines anderen Typs?
Der dritten
Frage wurde z.B. bei der Evaluation des Methoden-Lehre-Baukastens,
einem Lernprogramm zur Statistik, nachgegangen (Schulmeister, Vollmers,
Gücker & Nuyken 2005).
Unterschiedliche Perspektiven zum Nutzen von eLearning
Lohnt sich der Einsatz von eLearning an unserer Schule? Unter dieser Leitfrage haben Bildungswissenschaftler der Fachhochschule Nordwestschweiz (http:/www.fhnw.ch) einen Kosten-Nutzen-Kriterienkatolog zum e-Learning für Schulen und Hochschulen entwickelt. Es gibt drei Kategorien von Kriterien: Monetäre Größen (z.B. Anschaffungskosten), quantifizierbare Größen (z.B. Lernergebnisse) und nicht quantifizierbare Größen (z.B. Widerstände von Nutzern). Die Kriterienkataloge für Lehrende, Studierende und Institutsleiter unterscheiden sich.
Literatur:Russell, T. L. (1999): The nonsignificant difference phenomenon. North Carolina State University, Raleigh, North Carolina.
Enthält eine Übersicht über statistisch„erfolglosen“ Evaluationsstudien im anglo-amerikanischen Bildungsbereich. Auf der dazugehörigen Website befindet sich auch eine Liste der Studien.
Schulmeister, R., Vollmers, B., Gücker, R., Nuyken, K. (2005): Konzeption und Durchführung der Evaluation einer virtuellen Lernumgebung: Das Projekt Methodenlehre-Baukasten. In: Bachmair,B. Diepold, P., de Witt, C.: Handbuch Medienpädagogik Bd. 5, Opladen: Verlag für Sozialwissenschaft.
Die Autoren umreißen ein Evaluationskonzept, das didaktische Aspekte eines Lehr-Lernszenarios mit individuell unterschiedlichen Lernstilen der Nutzer verbindet.
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