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Wissenschaftssprache und Sprache in Lehrveranstaltungen

Während Wissenschaft überwiegend in elaborierter Textform kommuniziert wird, geht es vor allem in den Anfangsphasen von gruppendynamischen und von Wissensentsehungsprozessen um einen hohen interaktiven Austausch zwischen den Seminarteilnehmenden. Kreative und assoziative Sprachformen, mit denen Ideen und Gedankengänge erklärt und verstanden werden können, sind für diese Phasen wesentlich geeigneter.

Wissenschaftssprache und Sprache in Lehrveranstaltungen
Die Kommunikation in der Wissenschaft findet überwiegend in der Schriftsprache statt. Qualifikationsarbeiten wie die Studienabschlussarbeit, die Promotion oder die Habilitation sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen werden geschrieben. Durch ihre Qualifikation zu WissenschaftlerInnen sind Hochschullehrende in diese Sprachform sehr kompetent.



Der geringere Teil der Wissenschaftskommunikation findet über sprechsprachliche Kommunikation wie Vorträge und Diskussionen statt. Dieser Umstand erklärt, warum Hochschullehrende vor allem mit der schriftsprachlichen Praxis vertraut sind, während ihnen die sprechsprachliche Praxis, und vor allem die wenig formalisierte, assoziative und verkürzte Praxis des Chat wenig vertraut ist.

Berücksichtigt man aber die Kommunikationsanforderungen in den Anfangsphasen der Gruppenprozesse sowie in den Anfangsphasen eines Wissensentstehungsprozesses, die einen hohen interaktiven Austausch und eher kreative und assoziative Formen erfordern, dann sind sprechsprachliche Funktionen, wie der Chat sie ermöglicht, dafür wesentlich geeigneter. In Kombination mit Visualisierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel einem Whiteboard oder einer Mindmap als Ausdrucksmöglichkeit in einem anderen Symbolssystem können Gedankengänge und mentale Modelle in einer Gruppe wesentlich effektiver kommuniziert werden als in einem asynchronen Dokumentenaustausch.




Literatur:

Merkt, M. (2005). Die Gestaltung kooperativen Lernens in akademischen Online-Seminaren. Empirische Untersuchung zur didaktischen Weiterbildung von Lehrenden. (Im Druck).
Neben der theoretischen Begründung kooperativen Lernens in Online-Umgebungen im akademischen Kontext beinhaltet die Dissertation eine umfangreiche Dokumentation durchgeführter Lehrbeispiele von Hochschullehrenden aus unterschiedlichen Disziplinen.