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Gruppendynamische Prozesse

Während die Sachebene in akademischen Lehrveranstaltungen sehr präsent ist, wird die Beziehungsebene von den Lehrenden, häufig aus Unkenntnis, wenig berücksichtigt. Tatsächlich sind beide Ebenen in Lehrveranstaltungen immer beteiligt und interferieren in den Verlauf. Kommt es zu Störungen und Widerständen in der Gruppe, dann können diese Interferenzen nicht immer auf der Sachebene gelöst werden, bzw. diese sogar blockieren.

Das "Eisberg"-Modell wird häufig herangezogen, um zu erklären, wie die psychosoziale Ebene in einer Lerngruppe in die Sachebene interferiert. Die Vorgänge über der "Wasseroberfläche" sind uns bewußt und nachvollziehbar. Unter der "Wasseroberfläche" spielen jedoch immer Emotionen mit, die in die Sachebene interferieren können und denen unerfahrene Hochschullehrende ratlos gegenüberstehen. Zum Beispiel werden "sachliche" Diskussionen bisweilen mit einer Emotionalität ausgetragen, die sich nicht aus dem Thema erklären lässt. Dann spielen vermutlich Emotionen eine Rolle, die aus den Ebenen unter der "Wasseroberfläche" nach oben dringen.



Auch Störungen in der Lerngruppe können ähnliche Ursachen haben. Die Studierenden beteiligen sich zum Beispiel nur auf Druck und sind unmotiviert. Die oder der Lehrende hat das Gefühl, gegen eine "Wand anzureden", ohne benennen zu können, wo das Problem eigentlich liegt.

Die Kenntnis von gruppendynamischen Prozessen sowie von Konzepten und Methoden der Leitung von Gruppen erleichtert den Lehrenden den Umgang mit Störungen und Widerständen oder ermöglicht ein präventives Umgehen damit (vgl.: eModeration, TZI, Kommunikationstraining Schulz von Thun).

Auch wenn die Kommunikationsprozesse und -muster in Online-Lehrveranstaltungen gleich verlaufen wie in Präsenzveranstaltungen, so ist doch der Kommunikationskontext durch die Computervermittlung erheblich verändert. Daraus können bei unsachgemäßer Leitung gerade für ungeübte Nutzer neue Störfaktoren in der Verständigung entstehen, die mögliche Verständigungsschwierigkeiten der Präsenzkommunikation noch potenzieren ( vgl.: Flaming).
Ein besonders sorgfältiger Umgang mit den gruppendynamischen Prozessen ist in eLearning-Veranstaltungen also noch wesentlicher als in Präsenzveranstaltungen. Sonst kann es zu Erscheinungen wie dem " flaming " oder zu Störungen in der sozialen Organisation der Gruppe kommen, die den Arbeits- und Lernprozess erheblich behindern können.

vgl.: Die vier Phasen eines Gruppenprozesses
vgl.: Wissensentstehung
vgl.: Visualisierung und Sprachpraxis


Literatur:

Langmaack & Braune-Krickau (2000). Wie die Gruppe laufen lernt. Beltz: Weinheim.
Von erfahrenen Weiterbildnern auf lern- und kommunikationstheoretischem Hintergrund geschriebener Praxisleitfaden
Reinmann, G. (2004). Die vergessenen Weggefährten des Lernens: Emotionen beim eLearning.. In H.O. Mayer & D. Treichel (Hrsg.), Handlungsorientiertes Lernen und eLearning (S. 101-118). München: Oldenbourg.
Zur Bedeutung von Emotionen beim eLearning, wobei zunächst eine Begriffserklärung versucht wird, dann werden verschiedene Modellevorgestellt, bzw. ein eigenes Modell entwickelt,  emotionale Anteile des Lernprozesses zu erklären und daraus Handlungsoptionen für die Gestaltung virtueller Lernumgebungen abzuleiten.