eModeration und TutoringWährend eModeration die Organisation und Steuerung eines Kommunikationsprozesses innerhalb einer Lerngruppe in einer virtuellen Umgebung betrifft, ist mit Tutoring die individuelle Betreuung einzelner Studierender oder die Betreuung von Kleingruppen gemeint. Die Betreuung betrifft sowohl die technische als auch die didaktische Unterstützung. Inhaltliche Kompetenzen ist dafür ebenso erforderlich wie die technischen und die moderatorischen Kompetenzen (vgl. auch Arnold, P. et al., 2004).
eModeration Die Aufgabe der Moderatorin, des Moderators ist es
- durch offene, interaktionsauslösende Fragen den Austausch mit einem Thema anzuregen und den kommunikativen Austausch zu organisieren
- Die Ressourcen der Gruppe zu erschließen (alle Ideen und Gedanken in der Gruppe zur Sprache kommen lassen)
- Alle zu Wort kommen lassen (z. B. hin und wieder eine Antwort von jedem zur Aufgabe machen, Zeit lassen, bis auch die, die noch nachdenken wollen oder langsam tippen zum Zuge gekommen sind)
- Unterschiedliche Meinungen als Kontroversen festhalten und nicht entscheidend eingreifen
- Störungen klären, die die thematische Auseinandersetzung behindern
- Den einzelnen Gruppenmitgliedern ermöglichen, sich auf das gemeinsame Thema zu konzentrieren und durch strukturiertes Vorgehen die Gruppe zu einem verbindlichen Diskussionsergebnis führen
Strukturierung durch Moderation
- Ziel abstecken (welche Fragen sollen heute geklärt werden?)
- jeweils nur eine Frage diskutieren
- Ergebnisse einer Diskussionsphase kurz und neutral zusammenfassen
- Prozess spiegeln (Was wurde bereits diskutiert, was ist noch offen)
- zur nächsten weitergehenden Frage überleiten
- Entscheidungsprozesse anleiten, wie weiter verfahren werden soll (z.B. im Chat Themenauswahl zur Weiterbearbeitung oder zur Bildung von Kleingruppen organisieren, in dem der Moderator aus dem vorhergehenden Brainstorming jedes Thema nennt und sich die Teilnehmenden als Chatbeitrag melden, die an der Bearbeitung Interesse haben)
Kommunikations- und Moderationsregeln Die Moderationin oder der Moderator stellt Moderations- und Kommunikationsregeln vor, die für die Dauer der Arbeitsphase einen zielgerichteten und konstruktiven Dialog befördern sollen.
- Sich möglichst kurz und knapp fassen (im Chat lieber erst mal einen halben Satz abschicken und den Rest nachsenden, Rechtschreibfehler sind völlig unwesentlich, Smileys, Comic-Sprache verwenden, es geht um Verständigung, nicht um Präszision (vgl.: Wissenschaftssprache und Sprache in Lehrveranstaltungen)
- eigene, konkrete Erfahrungen einbringen (z.B. in der Ich-Form, nicht in der Du-Form sprechen)
- Bewertungen vermeiden
- Störungen äußern
Störungen können z.B. sein:
- Verdeckte oder offene Angriffe auf andere Teilnehmende (auf Regeln verweisen, Ich-Botschaften, keine Du-Botschaften, den Konflikt ansprechen, vereinbaren, wie damit weiter umgegangen soll)
- Es werden keine Eingaben gemacht (Lösungsmöglichkeit: eine Blitzlichtabfrage, jede/r einen Satz zur aktuellen Befindlichkeit, den Zustand zum Thema machen, z.B. es werden zur Zeit keine Eingaben gemacht, wie können wir das ändern, was braucht die Gruppe dafür?)
- Einzelne Personen arbeiten nicht mehr mit (eine Blitzlichtabfrage, ein Stimmungsbarometer erstellen lassen, z.B. auf dem Whiteboard, Unterstützung anbieten, was können wir tun, um die Teilnehmenden wieder ins Boot zu kriegen)
Empfohlene Rollenverteilung für Chatsessions Für den Chat ist es sehr hilfreich, dass die Diskussionsgruppe sich auf folgende Rollenverteilung einigt:
- eine Person übernimmt die Organisation (Chattermin mit allen vereinbaren, per E-Mail oder SMS, dafür E-Mail-Adressen oder Handy-Nummern einsammeln, dafür sorgen, dass alle hinterher wissen, wo sie die Ergebnisse der Chatsession für weiterführende Einzelaufgaben finden, z.B. als hochgeladener Textfile oder als E-Mail-Attachment, Stichworte oder gesamter Chattext, dafür sorgen, dass alle mitbekommen, wie es nach der Chatsession weitergeht)
- eine Person übernimmt die Moderation (Leitung des Diskussionsprozesses während der Chatsession)
- und eine Person übernimmt die Dokumentation (während des Chat, Stichworte mitschreiben, z.B. in einem Editor oder Schreibprogramm in einem zweiten Bildschirmfenster, kann bei Bedarf mit Copy und Paste in den Chat zurück übertragen werden, nach dem Chat Dokumentation allen zugänglich machen) (vgl. auch Merkt, M., 2005)
Literatur:Arnold, P. et al. (2004). E-Learning. Handbuch für Hochschulen und Bildungszentren. Didaktik, Organisation, Qualität. BW Bildung und Wissen: Nürnberg.
Das Handbuch ist auf dem Hintergrund der Erfahrungen des Autorenteams in
der didaktischen Begleitung des Bundesleitprojekts Virtuelle
Fachhochschule entstanden und bietet einen praxisnahen, theoretisch gut fundierten Überblick über E-Learning im Rahmen virtueller Studienangebote.
Merkt, M. (2005). Die Gestaltung kooperativen Lernens in akademischen Online-Seminaren. Empirische Untersuchung zur didaktischen Weiterbildung von Lehrenden. (Im Druck).
Neben der theoretischen Begründung kooperativen Lernens in Online-Umgebungen im akademischen Kontext beinhaltet die Dissertation eine umfangreiche Dokumentation durchgeführter Lehrbeispiele von Hochschullehrenden aus unterschiedlichen Disziplinen.
|