Schreiben im Seminar?

“An der Hochschule ist ein Seminar ohne lebhafte Gruppendiskussion für viele Lehrende wie Studierende kein gutes Seminar gewesen.” (Ulrike Scheuermann in “Schreibdenken”)

Ulrike Scheuermann setzt dieser Ansicht ihre Schreibmethoden entgegen. Denn oft würden durch konzentrierte Einzelarbeit bessere Ergebnisse erzielt als in einer Gruppe, in der viele soziale Faktoren vom eigentlichen Inhalt ablenken. Vor allem Introvertierte haben so viel bessere Möglichkeiten, sich ihre Gedanken zu vergegenwärtigen und sie dann auch ins Seminar einzubringen. Denn natürlich ist das Buch “Schreibdenken” in didaktischer Hinsicht keine generelle Absage an den Austausch in universitären Lehrveranstaltungen. Aber es werden Alternativen und sinnvolle Ergänzungen vorgeschlagen.

Zunächst aber gibt es eine Einführung in den etwas fremd anmutenden Begriff “Schreibdenken” und die damit verbundenen Annahmen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, die eigenen Gedanken möglichst ungefiltert zu Papier zu bringen. Dies kann unter anderem dabei helfen, Ideen zu entwickeln, Unbewusstes hervorzuholen und den Kopf frei zu bekommen. Auf diese Art und Weise hilft Schreibdenken beim Denken, Lernen, Lehren und nicht zuletzt beim (wissenschaftlichen) Schreiben.

Nach allgemeinen Informationen zum Schreibprozess, seinen Phasen und Rahmenbedingungen bietet ein Methodenkoffer konkretes Werkzeug an. Beim Fokussprint etwa werden zu einem festgelegten Thema fünf Minuten lang alle Gedanken aufgeschrieben, möglichst ganz ohne dabei abzusetzen. In einer anschließenden Auswertung können besonders interessante Gedanken hervorgehoben werden und zum Beispiel als Grundlage für die nächste Runde Schreibdenken dienen.

In hochschuldidaktischer Hinsicht besonders interessant ist das fünfte Kapitel, in dem es darum geht, das Schreiben in die Lehre zu integrieren. So kann ein kurzer Fokussprint zum Seminarthema ein guter Einstieg in eine Sitzung sein. Die Teilnehmenden kommen durch die kurze, konzentrierte Arbeitsphase im Seminar an und vergegenwärtigen sich ihr Vorwissen, das im Folgenden eingebracht werden kann.

Ein Kapitel zum Selbstcoaching durch Schreibdenken vervollständigt die möglichen Anwendungsbereiche. Das Buch zeigt, wie mit dem Schreiben eine Schlüsselkompetenz des Studiums gewinnbringend in reguläre Lehrveranstaltungen eingebunden werden kann. Sehr konkrete und niedrigschwellige Ansätze lassen die Umsetzung greifbar erscheinen.

Schreibdenken
Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln
Ulrike Scheuermann
126 Seiten
Taschenbuch
UTB – Verlag Barbara Budrich
ISBN 978-3-8252-3687-8
9,90 Euro

Melanie Andresen (ZHW)

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